Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 183
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0183
III. Lokalgeſchichtliches. 183

Die Ruine.
1. Die Feſtungsbauten der Süd⸗ und Weſtſeite.

Vom Berge her ſieht man teils kahle, teils mit Efeu bewachſene
Mauerwände und Türme, die Wetter⸗ und Sturmſeite des Schloſ⸗
ſes, wo man der vom kleinen Gaisberg und vom Königsſtuhl herab
erfolgenden Angriffe ſich erwehrte.
Der geſprengte Turm mit ſeinem 6 m dicken Gemäuer, dann
weſtlich davon die rieſenhaft aus der Tiefe aufſteig nde Verbindungs⸗
mauer, dann der viereckige Tor⸗ und Brückenwachtturm mit
den handſeſten Landsknechten an der Faſſade und den ſchweren Eiſen⸗
ſpitzen des Fallgitters in der Torwölbung, daneben der 15 m tiefe
Burggraben, an den der Stückgarten, einſt der große Wall ge⸗
nannt, ſich anſchließt: das alles gibt den Eindruck eines maſſiven
Trutzbaues wieder.
Kurfürſt Friedrich der Siegreiche (1449 — 1475), der ſeiner Partei⸗
ſtellung in drei Forts auf dem Gaisberge: Trutzpapſt, Trutzkaiſer
und Trutzbaier Denkmale geſetzt, gilt auch für den Erbauer des
Pulverturmes an der Südoſtecke des Schloſſes, der ſeit der Explo⸗
ſion von 1689 der geſprengte heißt. Die große, auf Pfeilern
und Bogen aus der Tiefe des Burggrabens heraufſteigende Schloß⸗
brücke mit dem Brückentor am ſüdlichen, dem viereckigen Wart⸗
turm am nördlichen Ende iſt das Werk des Kurfürſten Ludwig V.
Dieſe ganze Befeſtigungsanlage ward, wie eine Steininſchrift lehrt,
im Jahre 1541 vollendet und in demſelben Jahre hat hier Kaiſer
Karl V. unter dieſen Bogen ſeinen Einzug in das Schloß gehalten.
In den Königsräumen des Ruprechtsbaues hat ihn dann der Pfalz⸗
graf empfangen und bewirtet. Im Stückgraben erinnert außer
dem Namen noch ein ſchmuckloſer Denkſtein, der übrigens urſprüng⸗
lich nicht hier geſtanden hat, daran, daß hier einſt aus Stücken ge⸗
ſchoſſen wurde. Die Inſchrift lautet: „Anno MICLXXXIden XXII.
Janvarii vom Schloß auf dieſen Ort hat wider alles Hoffen aus
Stücken Kurfürſt Carl mit Kugel Kugel troffen“. Der große Wall,
wie dieſer Teil des Schloſſes früher hieß, iſt ein Werk desſelben Kur⸗
fürſten Ludwigs V., welcher den urſprünglich engen Umkreis der
Burg durch großartige Feſtungsanlagen nach Weſten und Nord⸗
weſten erweiterte. Die Jahreszahl der Erbauung 1528 findet ſich
unten im Graben über dem Eingang in das unterirdiſche Gewölbe.
Was heute ein Garten heißt, war damals eine gewaltige Baſtei;


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