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184 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
auf dem Vorſprung gegen Weſten, wo ſich jetzt eine prächtige Aus⸗
ſicht öffnet, ſtand damals ein feſtes hochragendes Rondell, an deſſen
Fuße ſich unten ein ſtarkes Vorwerk befand. An der nordweſtlichen
Ecke der Baſtei bildete der von demſelben Kurfürſten Ludwig er⸗
richtete dicke Turm (vollendet 1533), ein maſſives Bollwerk, das
mit ſeinen 7 m 2 dicken Mauern ähnlich drohend in die Ebene hin⸗
unterſchaute wie der Pulverturm Friedrichs des Siegreichen den
Berg hinauf. Alle Teile der ganzen Anlage waren durch unterirdiſche
Gänge miteinander in Verbindung gebracht, ſo namentlich der dicke
Turm mit dem Rondell und dem unterhalb liegenden Vorwerk durch
einen Treppengang, von dem jetzt die oberſten Stufen ſüdlich des
Rondells bloßgelegt ſind.
Dem jugendlichen Friedrich V. war die Burg ſeiner Väter zu
düſter und freudlos, zu ſehr einem Verließ, zu wenig einem Luſt⸗
ſchloß ähnlich. Er fing damit an, die Feſtungswerke des großen
Walles abzutragen, die ganze Bruſtwehr ſamt der Kuppel des Ron⸗
dells zu beſeitigen, an ihre Stelle eine ſteinerne Baluſtrade zu ſetzen,
das ganze Terrain aber umzuroden, mit friſcher Erde zu überführen
und für ſeine Gemahlin daraus einen Garten zu machen, der mit⸗
tels einer Zugbrücke mit ihren Gemächern im engliſchen Bau ver⸗
bunden wurde. An den ſüdlichen Eingang aber ſetzte er ein ge⸗
ſchmackvolles Säulentor, die Eliſabethenpforte, auf der wir heute
noch die Inſchrift leſen: Friedericus V Elisabethae Coniugi Cariss.
A. C. MDCXV. Selbſtverſtändlich ward dieſe Gartenanlage gleich
durch die erſten Stürme des Dreißigjährigen Krieges zerſtört.
L 2. Die älteſten Teile des Schloßhofes.
Der Rudolphsbau. — Der Ruprechtsbau. — Die Ulrichskapelle (Bandhaus). —
Der Ludwigsbau.
Schaut man vom Stückgarten aus am Rand des Burggrabens
rechts nach den Ruinen, die den Schloßhof eingrenzen, ſo fällt die
hoch hinauf mit dichtem Efeu bewachſene Außenwand eines vier⸗
eckigen, turmähnlichen Baues in die Augen, der in fünf Etagen aus
der Tiefe herausſteigt und oben das gotiſche Erkerfenſter ſeiner Oſt⸗
ſeite durchblicken läßt. Das iſt der älteſte Teil des ganzen Schloſſes,
der ſogenannte Rudolphsbau.
Dem Pfalzgrafen Rudolph IJ. (1294—1319) war die alte Hof⸗
burg*) auf dem kleinen Gaisberg — da, wo jetzt die Molkenkur⸗
*) Jenes „ganz alte Schloß auf dem höheren Berge“ wurde am 25. April
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