Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 185
(PDF, 47 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0185
III. Lokalgeſchichtliches. 185

anſtalt liegt — zu enge geworden. Er baute ſich deshalb auf dem
unterhalb liegenden Jettenhügel an und legte mit ſeinem neuen
Schloſſe den beſcheidenen Grund zu der nachmals ſo berühmten,
glänzenden Reſidenz. Zehn Jahre nachdem der Erbauer, ein land⸗
loſer Flüchtling, auf fremder Erde geſtorben iſt, wird in dem Tei⸗
lungsvertrag zu Pavia 1329 zum erſtenmal der unteren Burg
Heidelberg urkundlich gedacht: „Heidelberg die ober und die nieder
Burgk und die Statt“ heißt es dort.
Treten wir nun über die Schloßbrücke weg unter dem Fallgitter
in dem Torgewölbe des hohen Wartturmes hindurch in den Burghof
ein, ſo haben wir links die grauen Mauern des Ruprechtsbaues,
eines Gebäudes, das ſich Ruprecht III. (1398 — 1410), ſeit 1400
römiſcher König, ſeiner Standeserhöhung entſprechend, errichtet hat.
An der noch bis zum Dachgiebel erhaltenen Vorderwand meldet
uns der einfache Adler des Deutſchen Reichs die Würde des Er⸗
bauers. Hier hatte der römiſche König die Feſt⸗ und Empfangs⸗
räume für die vornehmen Beſucher, die auf ſeiner Reſidenz vor⸗
ſprachen. Unten waren die „Junker⸗ und Jungfernſäle“, eine Treppe
hoch der Königsſaal. Das Ganze war alſo ein Saalbau, wie ſeiner
ein zum König erhobener Pfalzgraf damals bedurfte. Über dem
Schlußſtein des Spitzbogens der Eingangspforte hat ſich ein reizen⸗
des Kunſtwerk erhalten. Zwei geflügelte Engelgeſtalten in weitem
Gewand halten auf Wolken ſchwebend einen Kranz mit fünf Roſen,
in dem ein etwas geöffneter Zirkel angebracht iſt: wie es ſcheint,
das Abzeichen der Bauhütte, welche ein Straßburger Baumeiſter für
dieſen Bau hier geſtiftet hatte. Während der König in dem nach
ihm benannten Palaſt ſeine fürſtlichen Gäſte empfing, hatte er in
dem Rudolphsbau nebenan noch immer ſeine Familienwohnung
und mit dieſer ſtand dann nördlich die Hofkapelle in Ver⸗
bindung.
Im Jahre 1346 ſtiftete Kurfürſt Pfalzgraf Ruprecht I., der Rote,
nördlich vom Rudolphsbau eine Kapelle, weihte ſie dem heil. Udal⸗
rich, Biſchof von Augsburg und begabte ſie mit ſo viel Renten, daß
Papſt Julius III. ſie für die reichſte Kapellmeiſterei in Deutſchland
erklärte. In dem ſogenannten „Bandhauſe“ — von der Küferwerk⸗
ſtatt, welche Karl Theodor darin errichten ließ — wollte man die

1537 durch ein Gewitter, deſſen Blitz den Pulverturm entzündete, gänzlich zer⸗
ſtört. Der damalige Profeſſor Micyllus (Molzer) hat das Ereignis poetiſch
geſchildert, ſiehe F. P. Wundt, Geſchichte und Beſchreibung der Stadt Heidel⸗
berg 1805, S. 196.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0185