Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 186
(PDF, 47 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0186
186 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

Reſte dieſer Kapelle erkennen. In neuerer Zeit iſt die Unrichtigkeit
dieſer Annahme nachgewieſen worden. Im Jahre 1609 ließ Fried⸗
rich IV. die neue Schloßkapelle erbauen und 1615 richtete Fried⸗
rich V. die Sakriſtei der alten zu einem prunkvollen Feſtſaal her.
Von all dieſer Herrlichkeit ſtehen jetzt nur noch die kahlen Wände
mit ihren Fenſterhöhlen. — Dem Ruprechtsbau gegenüber ſteht der
Ludwigsbau. Kurfürſt Ludwig V., Franz von Sickingens und
der aufſtändiſchen Bauern ſtreitbarer Widerſacher, ein bau⸗ und
jagdluſtiger Fürſt (1508—1544), hatte hier auf der Oſtſeite an
dem alten Burgwall, nördlich vom Pulverturm ein neues Wohn⸗
haus anlegen laſſen (1524), und außerdem die großen geräumigen
Wirtſchaftsgebäude rechts vom Wartturm, die ſchon ſein Vater an⸗
gefangen, zu Ende geführt. Hier fällt unſer Blick auf eine Brun⸗
nenhalle mit vier freiſtehenden Säulen und zwei Wandſäulen,
ſpitzbogig überſpannt, die den tiefen Burgbrunnen deckt. Die Säu⸗
lenſchäfte ſind von grauem Granit, ähnlich der Rieſenſäule, welche
am Fuße des Felſenmeeres auf dem öſtlichen Abhang des Felsberges
im Odenwald liegt, und ſollen nach den Angaben von Sebaſtian
Münſter (Cosmographey, 1588, III. 704) und Marquard Freher
(Origg. Palat. II. 11) Üüberbleibſel jener hundert Säulen ſein, die
Karl der Große einſt aus Rom und Ravenna kommen ließ, um ſie
in ſeiner Kaiſerpfalz zu Ingelheim aufzuſtellen.
Sebaſtian Münſter und ſeine Zeitgenoſſen hielten den ſchön po⸗
lierten Granit für Steinguß. „Es ſind bei meiner Gedechtnuß noch
5 oder 6 ſteinen gegoſſen Seulen darin (zu Ingelheim) geweſen, die
vor langen Zeiten der Groß Kayſer Carlen von Ravenn aus Italia
hatt laſſen bringen mit andern Seulen die er gen Aach verſchuff.
Aber Pfalzgraffe Ludwig hat ſie darnach laſſen führen gen Heydel⸗
berg auff das Schloß und da ſind ſie noch.“
Den Feſtungsbauten Ludwigs V. gab ſein Bruder und Nachfolger
Friedrich II. (1544—1556) nach Süden hin den notwendigen Ab⸗
ſchluß, indem er die Mauer, welche den Wartturm mit dem geſpreng⸗
ten Pulverturm verbindet, verſtärken, erhöhen und gleich den andern
Bauten ſeines Vorgängers mit glatt gehauenen Quaderſteinen be⸗
kleiden ließ (1545). Derſelbe Kurfürſt nahm die Verſchönerungen des
alten Ruprechtsbaues wieder auf, die ſein Bruder zuerſt in die Hand
genommen, und verewigte das Verdienſt des letzteren, deſſen koſt⸗
ſpielige Bauluſt er erſt tadelte, dann nachahmte in einer Inſchrift,
welche fich gleich links vom Eingang unter einer Wappentafel be⸗
findet und lautet:


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