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III. Lokalgeſchichtliches. 187
Tauſend vierhundert Jar man zelt,
Als Pfaltzgraf Ruprecht ward erwelt
Zu roemſchem Kong und hat regiert
Uff zehen Jar, dazu volefirt
Dies Hauß, welches Pfaltzgraf Ludwig
Erneuert hat wies ſteht luſtig,
Der im ein und viertzigſten Jar
Fünfzehnhundert auch fürwar
Uß dieſer welt verſchieden iſt.
Ir beider ſeln pfleg Jeſus Chriſt. Amen.
3. Die Prachtbauten Otto Heinrichs, Friedrichs IV. und
Friedrichs V.
Der Otto Heinrichsbau, der Stolz der ganzen Ruine, ſteht
auf einem Raume, den ſich ſchon Friedrich II. zu großen Schöpfun⸗
gen auserſehen, um den düſteren Feſtungsanlagen der Südſeite den
Glanz kurfürſtlicher Prachtbauten auch hier entgegenzuſtellen, wie er
das bereits durch Ausbau des alten Ruprechtsſchloſſes angefangen.
Der neue Hof rührt ganz, der achteckige oder Glockenturm
und der Bibliotheksturm mindeſtens in ihren oberen Teilen
von ihm her; der Rahmen zur Anlage einer neuen großen Pfalz
war fertig, als er ſtarb.
Drei kurze Jahre hat Kurfürſt Otto Heinrich der Großmütige,
der beſonnene Begründer der neuen Glaubenslehre regiert (März
1556 bis Februar 1559). In dieſen drei Jahren hat Schloß, Stadt
und Hochſchule Heidelberg den Geiſtesfrühling der Renaiſſance und
der Reformation, des Humanismus in Kunſt, Glauben und Wiſſen⸗
ſchaft gefeiert. Deutſche Meiſter, die auf italieniſchem Boden ihre
Schule gemacht, waren wohl die Schöpfer dieſes Baues. Für die
Plaſtik des Otto Heinrichsbaues hat ſich dieſe Annahme beſtätigt.
Der lange unbekannt und vergeſſen gebliebene ausführende Künſt⸗
ler war Alexander Colins aus Mecheln, bekannt durch ſeine Marmor⸗
reliefs am Mauſoleum Kaiſer Maximilians I. zu Innsbruck.
Als Kurfürſt Friedrich IV. Ende 1603 mit einem jungen Künſt⸗
ler Sebaſtian Götz aus Chur über die Verfertigung der Bildhauer⸗
arbeit am neuen Friedrichsbau abſchließen wollte, verlangte er den,
Vertrag zu ſehen, welcher ſeinerzeit wegen der Skulpturen am Otto
Heinrichs⸗Bau aufgeſtellt worden war. Dieſer Vertrag hat ſich jetzt
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