Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 188
(PDF, 47 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0188
188 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

im Karlsruher Archiv wiedergefunden*). Daraus geht nun hervor,
daß der „Erbare Alexander Colins von der Stadt Mechel, Bild⸗
hawer“, beauftragt wird, „alles gehawen Steinwerks, ſo zu dieſem
newen Hofbaw vollent gehörig zu hawen“ und zwar „vermög und
Inhalt darüber außgeſtrichener ufgerichter Viſirung“ (Zeichnung);
dann werden namentlich aufgezählt: die „vier Säulen oder Pfeiler
im großen Saal und der Stuben, ſampt das Wappen ob der Ein⸗
fahrt des Thors“, „die zwei größten Bildern in beiden Geſtellen
und dann die ſechs Bilder ob den Geſtellen, jedes von fünf Schuhe“,
auch „fünf größere Löwen“; „item ſechs mühſamen Thürgeſtell ſo
inwendig in den Bau kommen, item ſieben mittelmäßig Thürgeſtell,
ſo Anthoni Bildhawer angefangen“ ſoll er „vollendt außmachen“,
item die zwei Kamin, eines in des Kurfürſten Kammer und eines im
großen Saal. Solches gehawen Steinwerk „ſammt aller bild groß
und klein“ ſoll Alexander Colins „perſönlich hawen und hawen
laſſen“ und zwar auf eigene Koſten und dafür erhält er 1140 Gul⸗
den, „den Gulden zu 26 alb. Landwährung gezehlt“. Dieſer Ver⸗
trag wurde unterzeichnet am 7. März 1556. In einer Note iſt beige⸗
fügt, daß Colins „von ſeinem vorigen Geding“ noch 14 Bilder
hauen ſolle, jedes für 28 Gulden und daneben 14 Fenſterpoſten, jeden
für 5 Gulden.
Alſo am 7. März 1558 wurde der größte Teil der Bildhauer⸗
arbeit am und im Otto Heinrichsbau an Colins in Akkord gegeben,
nachdem von anderer Hand, der des Meiſters Anthoni, ein Tür⸗
geſtell unvollendet gelaſſen war, und zwar nach einer vorher feſt⸗
geſtellten Zeichnung, an die der Bildhauer wiederholt aufs ſtrengſte
gebunden wird. Wer dieſe gemacht haben mag? Wir wiſſen es nicht.
Auf vier trefflich gearbeiteten Karyatiden erhebt ſich das Gebälke
des Portals. Gleich über dem Türbogen ſteht die Inſchrift: Ott
Heinrich von Gottes gnaden Pfalzgraf bei Rhein, des heyligen Rö⸗
miſchen Reichs Erzdruchſeß und Kurfürſt, Herzog in Ober⸗ und
Niederbaiern. Darüber das Wappen aus gelbem Heilbronner Sand⸗
ſtein mit den Buchſtaben O. H. P. C.; neben den Karyatiden, welche
an den Seiten des Wappens ſtehen, eine Allegorie in ſtark erhabener
Arbeit, der Kampf des pfälziſchen Hauſes mit ſeinen mächtigen
Feinden in dem Kampf eines Mannes mit einem Löwen dargeſtellt,
der das eine Mal unterliegt, das andere Mal die Oberhand hat.

*) Abgedruckt in Wirths Archiv für die Geſchichte Heidelbergs 1868. I.
18—20.


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