Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 189
(PDF, 47 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0189
III. Lokalgeſchichtliches. 189

Das von zwei flötenblaſenden Genien gehaltene Medaillonbild des
Erbauers krönt dann das Ganze.
Die 16 Statuen in den Niſchen der Faſſaden ſtellen vor: Joſua
mit der Inſchrift: „der Hertzog Joſua durch Gottes Macht Ein und
dreyſig Künig hat umbracht.“ Samſon: „Samſon der ſtark ein Naſir
Gottes war — beſchirmet Iſrahel wol zwantzig Jahr.“ Hercules:
„Jovis Sun Hercules ich bin genandt — durch mein herrlich thaten
wol bekandt.“ David: „David ein Jüngling gehertzt und klug —
dem frechen Goliath den Kopf abſchlug.“ In der mittleren Reihe
ſtehen die allegoriſchen Bilder von fünf Tugenden: die Stärke mit
der gebrochenen Säule, und die Gerechtigkeit mit Schwert und
Wage; zu dieſen beiden dem Heidentum entlehnten kommen die
chriſtlichen Tugenden, der Glaube mit einem Buch in der Hand aufs
Herz gelegt, die Hoffnung mit dem Anker, die Liebe mit einem Kind
auf dem Arm. In der dritten Reihe ſtehen Saturnus, Mars, Venus,
Mercurius, Diana und hoch oben, wo einſt die Giebel ragten, ſind
die Standbilder von Pluto, wie man ihn bisher genannt, links,
ed Jupiter rechts, das Einzige, was die Zerſtörung ſtehengelaſ⸗
en hat.
In den acht Giebelfeldern der unterſten Fenſterreihe ſind acht
Köpfe in Medaillonform angebracht, deren Inſchriften eine ſonder⸗
bare Auswahl zum Teil falſch geſchriebener römiſcher Namen ent⸗
halten. Genannt ſind in erſter Reihe Vitellius Imperator, Antonius
(ſtatt Antoninus) Pius, Tiberius Claudius Nero und Nero Caeſar:
daran reihen ſich die Namen der Republik: C. Marius, M. Anto⸗
nius, M. Brutus, zwiſchen denen ſich die Inſchrift I. Rom. N. Pam-
philius (dies letztere offenbar ſtatt Pompilius) ſehr ſeltſam aus⸗
nimmt; das Ganze eine Reminiſzenz an den Zuſammenhang des
deutſchen mit dem römiſchen Reich.
Wir kommen an den beſterhaltenen Teil der ganzen Ruine, den
Friedrichsbau. Nachdem die ſprichwörtliche Bauluſt der Pfälzer
Kurfürſten unter Friedrich III., Ludwig IV., Johann Caſimir über
ein Menſchenalter Jahre geruht, wachte ſie in Friedrich IV. in
alter Stärke wieder auf.
Im Jahre 1601 ward mit Niederreißung der alten Ruprechtini⸗
ſchen Kapelle begonnen, noch im ſelben Jahre der Grundſtein zu
dem neuen Palaſt auf der Nordſeite des Jettenhügels gelegt und
nach Verlauf von ſechs Jahren, 1606, war der ganze Bau vollendet
und nun in raſcher Arbeit der plaſtiſche Schmuck durch den Meiſter
Sebaſtian Götz aus Chur mit acht Geſellen hinzugefügt. Der neue


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0189