http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0196
196 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
III.
Im Jahre 1870 ſollte in Karlsruhe die 16. Verſammlung deut⸗
ſcher Architekten und Ingenieure ſtattfinden. Der badiſche Tech⸗
nikerverein beſchloß, zu Ehren dieſer Verſammlung eine illuſtrierte
Feſtſchrift: „Karlsruhe im Jahre 1870“ erſcheinen zu laſſen, und
wählte ein Redaktionskomitee, in das Scheffel eintrat. An Emma
Heim ſchreibt er (Boerſchel S. 294): „Ich habe die Verpflichtung
übernommen, für eine Verſammlung der deutſchen Architekten zu
Karlsruhe im September d. J. (1870) die Feſtſchrift zu redigieren,
das Manuſkript muß im Mai druckfertig ſein und iſt erſt halb fertig.
Das laſtet ſchwer auf mir und läßt mir — da es eine Ehrenſache
iſt — Tag und Nacht keine Ruhe. Oft bin ich nahe daran zu vergeſſen,
daß es noch andere geiſtige Arbeiten und Freuden gibt als topogra⸗
phiſch ſtatiſtiſche Notizenſammlerei.“ Nach Lage der Dinge fiel un⸗
ſerem Dichter in erſter Linie die Bearbeitung des hiſtoriſchen Teils
der Feſtſchrift zu, während für die Verabfaſſung der mehr techniſch
gearteten Artikel kundige Fachleute in Frage kamen. Der Druck der
Feſtſchrift war nahezu vollendet, als der Deutſch⸗Franzöſiſche Krieg
ausbrach und die Verſchiebung der Veranſtaltung bedingte (an Wer⸗
ner S. 112). Scheffel hatte ſozuſagen als perſönliche Zugabe einen
poetiſchen Feſtgruß geſpendet, den er nunmehr — wahrſcheinlich ver⸗
anlaßte ihn der Inhalt des Gedichtes ſelbſt dazu — aus der Feſt⸗
ſchrift ausſchied und in dem „Deutſchen Künſtleralbum“, Düſſel⸗
dorf 1870 erſcheinen ließ (vgl. Bd. IX, S. 179). Vgl. auch an
A. v. Werner S. 109. Die Schrift kam dann im Jahre 1872 ohne
das Gedicht heraus. Der Titel lautet: „Karlsruhe im Jahre 1870.
Baugeſchichtliche und ingenieurwiſſenſchaftliche Mitteilungen. Den
Mitgliedern der XVI. Verſammlung deutſcher Architekten und In⸗
genieure dargebracht vom Badiſchen Technikerverein. Mit 49 Illu⸗
ſtrationen, drei Plänen und einer Karte. Karlsruhe o. J.“
Es iſt ja natürlich nicht leicht, Scheffels Anteil an der Feſtſchrift
lediglich auf Grund der Aufſätze ſelbſt zu beſtimmen, denen jede An⸗
deutung ihrer Verfaſſer fehlt. Aber wir dürfen doch, geſtützt auf
unſere Kenntnis von des Dichters ganzer Art und von ſeiner Dar⸗
ſtellungsweiſe, einigermaßen begründete Vermutungen ausſprechen.
Auszuſcheiden ſind zunächſt zweifellos die unter VIII des Inhalts⸗
verzeichniſſes vereinigten „Mitteilungen über Karlsruher und be⸗
nachbarte Fabriken“. Die können nur von den ſachverſtändigen
Fachleuten verfaßt ſein. Ebenſo müſſen wir die Abſchnitte IV bis
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0196