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Nachwort. ”õ 199
V.
Die Frage nach der Aufnahme der kleinen proſaiſchen Beiträge
zu den „Fliegenden Blättern“ in unſere Ausgabe glauben wir
verneinen zu ſollen. Diejenigen, die wirklich beglaubigt find (Nr.
119 Aſthetiſche Geſpräche, Nr. 165 Moderne Zeitungskorreſponden⸗
ten, Nr. 183 Der Zeitungsartikel in spe) erſcheinen als gar zu be⸗
langlos, ſo daß ſich der Abdruck wirklich nicht lohnt, und die an⸗
dern, die von verſchiedenen Seiten für Scheffel reklamiert werden,
ſind ihm entweder irrtümlich oder doch wenigſtens nicht einwand⸗
frei zugewieſen. So rühren die „Loſen Blätter aus dem Stamm⸗
buch der Köchin Karline“ (Nr. 424—26 und 428, vgl. Breitner,
Scheffel und ſeine Literatur, Bayreuth 1912, S. 77 und Victor
Scheffel⸗Album. Perlen deutſchen Humors, hg. von Dr. Ferd. Heſſe.
Berlin o. J.) laut Mitteilung der Redaktion der „Flieg. Blätter“
vom 27. November 1916 an einen Freund, der ſich im Intereſſe
des Herausgebers darum bemüht hat, nicht von Scheffel, ſondern
von Albert Wolff her. Die Initialen J. Sch. auf dem erſten
Blatt, durch die ſich der junge Breitner wohl zu ſeiner Annahme
hat verführen laſſen, könnten höchſtens den Zeichner Scheffel an⸗
deuten. Aber auch das iſt mehr als zweifelhaft. Der Verfaſſer der
„Münchener Ballgeſpräche“ (Nr. 262, vgl. Breitner a. a. O. und
Heſſe a. a. O.) iſt nach Mitteilung der Geſchäftsleitung der „Flie⸗
genden Blätter“ nicht Scheffel, ſondern Ludwig Steub. — Außer⸗
dem druckt Heſſe, deſſen Buch durch die Vermiſchung der guten alten
Illuſtrationen der Fröhlich, Caſpar Braun, Ille u. a. mit den
grotesken Zeichnungen eines modernen Buſchnachahmers ein höchſt
uneinheitliches und künſtleriſch unbefriedigendes Gepräge erhalten
hat, noch einen Aufſatz: „Von engliſchen und deutſchen Reporters“
(aus Nr. 460 und 461 der „Flieg. Blätter“, 20. Bd. 1854/55, unter
ſorgfältiger Verſchweigung dieſer ſeiner Quelle) ab. Aber trotz der
Unterſchrift J. S. wird man mit der Annahme von Scheffels Ver⸗
faſſerſchaft ſehr vorſichtig ſein müſſen. Die „Flieg. Blätter“ wiſſen
wenigſtens nichts von ihr. Heſſe wird alſo mit ſeinen „ſonſtigen
Umſtänden“ herausrücken müſſen, wenn er überzeugen will. Von
einer Aufnahme des Aufſatzes in dieſe Ausgabe iſt auf alle Fälle
vorläufig abzuſehen. — Um die oft angeſchnittene Frage endgültig
zu klären, geben wir nachſtehend eine vom Verlag der „Fliegenden
Blättec“ herrührende, alſo authentiſche Liſte der Beiträge Scheffels
zu dieſem Blatt, die auch die von Breitner aufgeſtellte nicht un⸗
weſentlich ergänzt:
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