Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 8
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0008
8 Juniperus.

tigen und überhaupt ſeine beſſeren Gedanken wandernd und
ſchauend auszudenken beſtrebt ſein.
Solche Vorſchrift für richtig und weiſe erachtend, hat auch
der Schreiber dieſes Vorworts jezuweilen ſeine Bücherei abge⸗
ſchloſſen, die Reiſetaſche des Fahrenden umgehangen und gleich
dem alten Aventinus manch eynen Winkel durchloffen und
durchkrochen. Und er zählt die Tage nicht zu den unlehrſam⸗
ſten, da er die Ruinen der hegauiſchen Berrgfeſten erkletterte
oder an der Wutach trümmerreichen Ufern durch ſchattiges
Dickicht ſich zwängte oder als rudernder Talwegfahrer ſeinen
Kahn anlegte an der rheinumfluteten Kloſtermühle der gaſt⸗
lichen Mönche des heiligen Fintan.
Nur auf jenen Pfaden, auf welchen er an einem kalten Faſt⸗
nachtmontag von den Degginger Höhen zum tiefgrünen Forel⸗
lenwaſſer des Wildbaches Gaucha hinabrutſchte, wünſcht er ſich
keinen ſeiner liebwerten Leſer zum Nachfolger.
Während ſolcher Gänge waren die Gedanken erfüllt von
der Vergangenheit derer, die hier einſt ihre Wohnſtätten gebaut
und die an Täuſchung wie Enttäuſchung reiche Kampfnot des
Lebens in Denkweiſe und Waffenkleid ihrer Jahrhunderte be⸗
ſtanden. Auch der erklärte Widerſacher bläßlicher Romantik
und unfreier Rückwärtsgelüſte vermag kaum ein tiefernſtes Ge⸗
fühl abzuweiſen, wenn ihm der Archivarius der Gegenwart
die zahlreichen edeln Namen aufzählt, deren Träger hierlands
gewaltig waren, bis die letzten des Geſchlechts mit Schild und
Helm zur Ahnengruft beſtattet wurden.
Schon im ſechzehnten Jahrhundert waren die meiſten er⸗
loſchen, aber noch freut ſich des oberdeutſchen Mannes Herz
jener Blütezeit der ſchwäbiſchen Lande, da die Hohenſtaufiſchen
Kaiſer mit großem Anſehen und angeſtrengter Tätigkeit geiſt⸗
liche, ritterliche, ſtädtiſche Kultur förderten, da ſchneidiger Zug
in den Schwertern und ſchneidiger Schwung in den Geiſtern die
junge Landeskraft ſiegreich fortriß nach Welſchland und Syrien
und die Rebenhügel des Bodenſee wie die Tannenforſte des
hercyniſchen Waldes widerklangen von dem ebenſo kunſtreichen
als jugendlich naiven Liedgezwitſcher frühlingsfreudiger min⸗
neſeliger Singer und Singerlein.
Anmutend durch merkwürdige Geſchehnis und einen wahr⸗
haft dichteriſchen Hauch iſt das vorletzte Jahrzehnt des zwölften
Jahrhunderts, wo das zu Mainz gefeierte Pfingſtfeſt des Jah⸗


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