Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 9
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Vorwort. 9

res 1184 als herrliches Frühlingsfeſt deutſcher Nationalkraft
und deutſchen Geiſtes die ſagenhaften Hoftage des König Artus
durch heitern Glanz verdunkelte und europäiſchen Ruf gewann,
dieweil im Orient langſam die Wetterwolken aufzogen.
Es war damals, wie der Geſchichtſchreiber Stälin ſagt,
nach Beilegung ſo manchen Streites in Deutſchland ein hei⸗
teres Ritterleben in Hof⸗ und Reichsfeſten, als die Nachricht
von der Einnahme Jeruſalems durch Saladin 1187 alles auf⸗
ſchreckte und den Kaiſer, der in ſeiner Jugend ſchon eine Kreuz⸗
fahrt gemacht hatte, antrieb, durch Wiedereroberung der hei⸗
ligen Stadt das Werk ſeines Lebens zu krönen.
Von Studien über dieſen Zeitraum angeregt, ſtellte ſich
der Verfaſſer auf ſeinen Wanderungen manchmal die Frage:
Wie mag es damals, als Friedrich der Rotbart zur großen
Kreuzfahrt rüſtete, im Einzelnen auf dieſer Burg, in dieſem
Kloſter, in dieſem Flecken zugegangen ſein? Oder mit andern
Worten: wie lebte und liebte damals im engen Rahmen dieſer
alemanniſchen Landſtriche die ritterliche Geſellſchaft? G
Die Geſchichtſchreiber gaben ihm die erwünſchte Auskunft
nicht.
An einem milden Frühlingsabend aber lagerte er fröhlich auf
der ſchwarzen Baſaltplatte vor den Trümmern von Neuenhewen
und erquickte das müde Auge am Bilde des von Sonnenflimmer
durchleuchteten blauen ſchwäbiſchen Meeres. Sein damalig
Wald⸗ und Feldbrevier, carmina burana oder beſſer der
fahrenden Schüler lateiniſches Liederbuch genannt, hatte er
nicht vergeſſen.

„Exre gratum ek opkatum ver redurik gaudia,
purpurafum floret pratum, zol serenat omnia! ...“

Sangkundige Landsleute hatten die Zinnen des Turmes er⸗
ſtiegen und ſangen vierſtimmig ſo wacker in Luft und Land hin⸗
aus, daß die Sperber des Bergwaldes niederſchoſſen, um zuzu⸗
hören, und der Buſſard abſtand von des Reihers Verfolgung,
den er drüben im Donauried aufgejagt. Als ſolchermaßen ein
Anhauch heimatlicher Frühlingsbergluft und Geſangsfreude der
Gedanken gelahrten Bücherſtaub luſtig durcheinanderwirbelte,
trat ihm die Geſchichte des Juniperus vor die Seele, und er
ſchrieb ſie nieder als dichteriſche Selbſtbeantwortung jener kul⸗
turhiſtoriſchen Fragen. Er hofft damit ſeinen geſchichtverſtändi⸗


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