Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 12
(PDF, 34 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0012
12 Juniperus.

dem erſt ſeit jenem Sturmtag ſich von des Schweigens Ge⸗
lübde zu entbinden geſtattet war, berichtete er ſeinen ritterlichen
Gefährten, wie folgt, des Juniperus Geſchichte.

„So heb' ich denn im Namen Gottes des Herrn an und
erzähle euch, teuerwerte Genoſſen, alles, wie es ging und kam
und mich von Donau und Rhein bis vor Akkons Wälle geführt
. . . und wenn ich weit aushole und in ſtrömendem Erguß der
Rede euch beſchwerlich falle, ſo wollet es einem zu gut halten,
über deſſen Lippen in zwei Jahren außer dem, was er unfrei⸗
willig im Traume geredet, kein Sterbenswort kommen durfte.
Und wenn euch, was ich zu berichten habe, nicht alles ein Wohl⸗
gefallen erregt, ſo wollet es der Jugend zugute halten, deren
Angebinde heißes Blut iſt und wenig Tugend.
Weit entfernt von euren Burgen und Städten, droben im
glückſeligen Schwaben iſt meine Heimat, und als die Muhme
Petriſſa den Neugeborenen im geflochtenen Wiegenkorb wider
das Licht hob und als untadeligen Sohn ſeines Vaters erfand,
da ſprach ſie: „Du gutes feſtes Schwabenkind, es ſoll mich ſelber
Wunder nehmen, wo überall hin durch die Welt dich deines
Lebens Wege noch tragen und verſchlagen werden.“ Und ſo
jung ich annoch bin, ſo möcht' ich ſchier vermeinen, jenes Wort
wolle ſich erfüllen, denn vom Neuenhewen im Hegau bis auf
den Karmel im mediterraniſchen Meer iſt ein weiter Weg und
wohl noch nicht mein letzter.
Zwiſchen Bodenſee, Rhein und Schwarzwald hebt auch manch
ſtolzer Berg ſein Haupt, und wenn ich Flügel trüge und wenn
noch alles ſtünde daheim, wie es ſtand vor der Faſtnacht Anno
Domini eilfhundertachtundachtzig, ſo wollt' ich wohl am lieb⸗
ſten zur Stelle über das blaue Meer zurück und heimfliegen
und nach meinem guten Hewenberg ſchauen, denn es muß etwas
der ſchwäbiſchen Luft zugemiſcht ſein, was uns hinaustreibt
weit in alle Welt, aber auch ein Zweites, was wieder heim⸗
wärts zieht mit ſtarkem Haken der Sehnſucht. Was an mir zieht
zu den Höhen, die meine Wiege trugen, das iſt die Pracht
Gottes, die dort alltäglich vor den Fenſtern ſich auftut... die


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0012