Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 13
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0013
Juniperus. 13

Pracht Gottes in Land und See und Strömen und Alpenge⸗
birgen der Ferne..
Darf zwar hier oben mit vollen Zügen des Karmel bal⸗
ſamiſche Luft trinken und aus einem Schwall von Blüten, die
unſere Tannwälder nicht kennen, hinabſchauen wie aus einem
Gewürzgarten auf Meer und Land,

mare velivolum kerrasque iarenktes,

wie wir in der Schule es laſen, aber käme ich auch auf jenen
andern Berg zu ſtehen, von dem einſt der Verſucher dem Hei⸗
land alle Herrlichkeiten dieſer Welt gewieſen, nimmer würde
ich vergeſſen, wie es auf meiner guten neuen Hewen beſtellt
ſei. Hei, daß ich euch weiſen könnte, was dort in meine Jugend
hereingeglänzt: die grünen Wälder von Engen, einſt des auſtra⸗
ſiſchen Reiches wohlumwallter Grenzſtadt... die ſteil aufge⸗
ſchoſſenen Felsgipfel des Hegau in einſamer Schöne... den
blau im Widerſchein blauen Himmels mit gedoppelter Buchtung
zu uns ſich herbiegenden Bodenſee... die fernen rieſigen wie
ein Hauch im Abendrot verſchwindenden Schneeberge! In
krummem Flußlauf windet ſich die kaum entſprungene Donau
durch ein Ried und ſtrebt dem Städtlein Geyſingen vorüber...
ſo einer von dort eine kleine Weile gen Sonnenaufgang reitet,
ſteht er auf ſchwarzem Baſaltſtein vor meines Vaters Behau⸗
ſung und mag all die Pracht erſchauen, von der meine Zunge
jetzt, da ſie wieder reden darf, in voller Erinnerung überſtrömt.
Die gute neue Hewen aber iſt nur ein Burgſtall; ihr und
der Stadt Engen gebieten die edeln Freiherrn auf dem Hohen⸗
hewen, der als der nächſte in der Reihe der Hegauberge mit
ſanfter Schwingung ſeinen waldigen Gipfel erhebt. Aus fernem
Heſſenland kam das Hewengeſchlecht einſt herübergewandert in
das Revier der Hegauer Kegelberge und hat von dort ſein Wap⸗
pen mitgebracht, den ſilbernen Stern im ſchwarzen Feld, den
ſie auch all ihren Dienſtleuten zu Schildzier verliehen, daß
ſein Zeichen glückverheißend aufgepflanzt werde über dem Tor
ihrer feſten Berghäuſer.
Darum ſoll keiner mich ſchmähen, daß ich zu Unrecht mich


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