http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0014
14 Juniperus.
fremden Wappenſchildes angemaßt, als ihr mir geſtattet habt,
in euren Reihen den Stern meiner Heimat auf Akkons Wällen
dem Sarazenen zu weiſen.
Selten ſteigt ein Hewen von ſeinem Berggipfel hernieder,
Lehen zu ſuchen .. . ſitzen in ſemperfreier Stille daheim, wie
der alte Krenkinger Freiherr im unweiten Thiengen, der ſelber,
als der Kaiſer Rotbart durchritt, nicht aufſtand vom Armſtuhl,
darin er vor ſeinem Hoftor ſaß, und nur grüßend ſein Käpplein
lupfte, ſprechend: „Mehr bin ich nicht ſchuldig.“
In der Eckſtube des Burgſtalls Neuenhewen, den man auch
das Stettener Schlößlein nennt, bin ich geboren, der Sohn
eines rittermäßigen Dienſtmannes, der Gottfried heißt und wie
viele ſeines Standes mit Stichen und Schlägen aus der Jugend
in ſein Alter kommen und Speerkrachens viel vernommen. Nach
deſſen Namen tauften ſie auch mich Gottfried. Die Mutter
aber, ein feinfühlig Weib, der Gott ihre Treue lohnen möge, iſt
früh weggeſtorben... und ſo weit die Welt vor den Fenſtern
der Burg ausgebreitet lag, ſo eng war ſie in den innern Räu⸗
men, die wir hälftig zu teilen hatten mit zwei andern hewiſchen
Dienſtmännern, ihren Frauen und Kindern. Saßen darum
nahbeiſammen in der einen Eckſtube, aber nur wenn ſchlecht
Wetter war; bei gutem kroch ich draußen herum auf den Felſen
und ſtieg zum Wächter auf den großen viereckigen Turm und
ſchaute den Sperbern nach, die drüber hinwegflogen, oder zerrte
den Vater am Leibrock, wenn er zu Roſſe ſtieg, daß er mich
heraufgriff und vor ſich in den Sattel ſitzen hieß, und blieb ein
friſcher Bub, der ſeiner Muhme Petriſſa, die jahraus jahrein
am ſchnurrenden Spinnrad im Eckfenſter ſaß und allen das Lin⸗
nen zum Gewand ſpann, viel Sorge ſchuf.
Wie ich ſo ein acht Jahre geworden, hielten ſie Rat, was
aus mir werden ſolle; da ſprach die Muhme: „Iſt ein Knab',
in dem ſteckt etwas. Deß mag eine Urſache ſein, daß ſeine Mut⸗
ter, da er ungeboren unter ihrem Herzen ruhte und der Vater
in den Krieg geritten war, ſo oft hinüberging zu ihrer Schwe⸗
ſter auf der Burg zu Aach und lange Stunden am tiefblauen
Quell ſaß, der dort mit Fluſſesgewalt aufſprudelt aus den
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0014