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Juniperus. 21
kopf blitzenden Augs kam Leides viel über mich und über den
Diethelm.
Oftmals wenn wir in der Vakanz, die Armbruſt umgehangen,
durch die Baar ſtreiften, Federwild zu erjagen, kehrten wir beim
alten Markwart von Almishofen an, deſſen feſter Ritterhof aus
der Tiefe des Donaurieds die breiten Giebel reckte, ein freier
Herrenſitz, vor deſſen Tor das vierfach geteilte Wappenſchild
mit der Almishofer Blume im Feld rechts grüßend herabwinkte.
War ein fadengerader rauher alter Herr, von dem die Leute
ſcherzweiſe ſagten, es ſtecke ein Scheit Tannenholz in ſeinem
Rücken, wenn er im Sattel ſitze, aber viel Löbliches von ritter⸗
licher Art und Pflicht ſtund von ihm zu erfahren, und hatte
einen reichbeſetzten Harniſchſaal, die zahlreichen Männer des
Geſchlechts, das in ihm den Senior ehrte, zu waffnen, denn der
Almishofer waren viele, weit herum ſeßhaft in der Baar, in
Hüfingen und an der Wutach und drüben zu Ymmendingen, wo
allzeit ein Jüngerer des Stamms als Kirchherr ſeiner Pfründe
genoß.
Uns aber zog es meiſtenteils bald aus Stube und Waffen⸗
ſaal hinaus in den großen Baumgarten, wo wir des Alten drei
Töchter trafen. Und wenn das Jagdglück ein Wildentenpaar
beſchert oder einen guten Trappen, brachten wir jenen die
Beute, waren in guter Kurzweil mit ihnen zuſammen und ſpiel⸗
ten das Kinderſpiel: „Weih, Weih, was klopfeſt du?“ Da
mußte der Diethelm als Weih mit heiſerem Raubvogelgeſchrei
uns umſchwirren, die drei Edelfräulein duckten ſich wie die
Küchlein ängſtlich zuſammen oder flohen im wilden Renn⸗
lauf, und ich mußte zu ihrer Verteidigung den Feind kampf⸗
lich beſtehen.
Die erſte der Töchter hieß Liutgard, zu der ſagten wir kurz⸗
weg Luggi; die zweite der Töchter hieß Yrmgard, zu der ſag⸗
ten wir kurzweg Yrmi; die dritte hieß Rothraut, der gaben
wir keinen Beinamen.
Die Rothraut war nicht wie ihre Schweſtern: jene ſchlank,
hochgewachſen in ihres Vaters Art, gutmütig, ſcheu und ſittig
... ſie minder groß, minder ſchön, feſſelnd durch unergründbar
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