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Juniperus. 25
Dachte dabei nicht, daß bald auch an mich die Reihe kommen
ſollte, gleiches zu erproben.
Aber von ſehnendem Weh befreit nicht Heilkraut noch Ge⸗
bet. Und in all mein Denken ſtellte ſich der Rothraut wohl⸗
getane Geſtalt, ihr Mund roſigrot, ihr Haar goldblond und
lauter, ihrer Hände Paar fein und weißblank.
Und vier Wochen darauf trug derſelben Ulme Geäſt mich
ſelber aus dem heimlich geöffneten Fenſter hinab zum Rhein,
und ich ſprang in das Waſſer und ſchwamm hinüber auf das
rechte Ufer, desſelben Pfades, den mein Diethelm geſchwom⸗
men.
Daleas, magiszter rare,
Rhenum rogor pernatare,
Coenobikas deserv *),
rief ich aus den Fluten, da ich von des guten Tannaſtus wohl⸗
bekannter Zelle ſein Lichtlein durch die Sommernacht ſchim⸗
mern ſah.
Wie ich, in die naſſen Kleider eingeſchlüpft, durch die Wald⸗
ſtille am Schwabenegg dahin ſchlich und das Turmpaar der
Abtei fern und ferner zurückwich, da konnt' ich freilich die Trä⸗
nen nicht bannen und dachte: „Du gute, gute Rheinau, darin
ich ſo viel gelernt und ſo viel an mir emporgebeſſert, wenn
ſich's tun ließe und kein Frevel wäre, daß ich jenes andere R,
das mich hinübergezuckt wie der Magnet den Eiſenſpan, her⸗
beiholte und mit ihm einziehen und leben dürfte in deinen
Mauern, nimmermehr wollt' ich dich verlaſſen haben!...“
Auf der Neuen Hewen hub ſich wieder ein böſes Kopfſchüt⸗
teln an, da ich heimgelaufen kam. „Heilige Kummernis!“
rief die Muhme Petriſſa, „da haben wir's!“ Der Vater
brummte eine Weile, dann ſprach er: „Die Schulbank hat noch
achtzehnjährige rotbackige Kraft in dir gelaſſen, daß du in rit⸗
terlichem Handwerk dich einüben magſt.“ Da hub ich an, in
*) Teurer Lehrer, Gott befohlen!
Durch den Rhein ſchwimm ich verſtohlen
Und verlaß' euch Kloſterherrn.
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