Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 26
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0026
26 Juniperus.

Stall und Waffenkammer mich umzutun, kam tagelang nicht
aus dem Sattel, ritt, daß die Heerſtraßen ſtäubten, jagte, daß
die Hunde zurückblieben, tummelte mich in allem, was einem
Garzun zu lernen geziemt, und die lateiniſchen Buchſtaben und
Reimverſe ſchufen mir fürder nicht viel Sorgen. Unſer Herr
zu Hewen aber ſagte willig zu, mich als Schildknappen mitzu⸗
nehmen, wenn er die nächſte Heerfahrt tue.
Jungfräulein Rothraut war damals oft bei ihres Vaters
Schweſter auf der Burg zu Laufen über dem Rheinfall. Zu ihr
ritt ich eines Tages hinüber, bracht' ihr ein weißes Pärlein aus
meiner Muhme Taubenſchlag und ſtand mit ihr auf dem Söller
hoch über der wellenumſchäumten Klippentiefe des durchfurch⸗
ten Rheinbettes und deutete Rheinau⸗wärts und ſagte: „Ro⸗
thraut, ich bin kein Kloſterlateiner mehr, bin ein Rittersknab und
reit' in Eiſengewand und reite auf die nächſte Heerfahrt mit
unſerem Herrn, den Rittergürtel zu erſtreiten und ein trau⸗
liches Heim, darin Mann und Weib Platz finden...“
Da fiel ſie mir lächelnd in das Wort: „Geſtern iſt der
Diethelm bei uns eingekehrt, der hat mir das gleiche geſagt.“
Und wie ich einen ſchwermütigen Blick auf ſie richtete und
ſagte: „Und all das tue ich um eine, deren Name hebt mit dem
Buchſtaben R an, und möcht' wiſſen, ob ſie es gut heißt, daß
ich mich in ihrem Dienſte nicht ſparen und ihr zu Lohne fahren
will, wohin ſie mir gebietet, mag's auch nach Babylonien
ſein . . .“ Da lachte ſie wieder und ſprach: „Auch das hat der
Diethelm zu mir geſagt; beſinne dich auf was Neues, Juni⸗
perus, und ſchau dir einſtweilen Berg und Tal an!“
Es gefiel ihr, die Landſchaft durch ein Stück roten Glaſes
zu betrachten, das aus dem Mantel des heiligen Chriſtophorus
im wohlbemalten Chorfenſter des Burgkirchleins herausgebro⸗
chen war. „Gelt,“ ſprach ſie, „das ſchaut anders drein?“
Mir grauſte, wie ich durch das rote Glas geſehen, und ich
ſagte: „Was dem einfachen Auge mild und freundlich er⸗
ſcheint, das wird unter deinem Glas, o Rothraut, wild und
unheimlich: fahl rötlich ſchäumt mir der Rheinfall, im Feuer⸗
glanz die ſonſt weißglänzenden ſonnebeſchienenen Häuſer des


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