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28 Juniperus.
geübt mit Schneckeneſſen, Umtrunk und Reigentanz, und wer
vermummt Gaſſen und Häuſer durchlaufen will, der ſteckt ſich
in das weiße, figurenbemalte ſchellenbehangene Gewand des
Heini Narréô, legt die Holzlarve Scheme vor das Antlitz, zieht
die mit Blumenkranz und Fuchsſchwanz verzierte Kapuze dar⸗
über und rennt hüpfenden Schrittes, hellauf „Narrö!“ rufend
und AÄpfel und Nüſſe unter die Kinder auswerfend, durch die
fröhliche Menge.
Auch die Muhme Petriſſa hatte ihr Turmfenſter verlaſſen
und ritt mit mir und etlichen reiſigen Knechten zum Feſt. An⸗
langend trafen wir auf gleicher Heerſtraße die Blumenegger;
die kamen in großer Sippe, alle in weißem Narrenlinnen zu
Roſſe, ein ſeltſam ſtattlicher Zug. Alsbald hielten ſie, ſchüttel⸗
ten allzuſamt die Riemen mit den Metallſchellen, daß fernhin
die Fenſterſcheiben erklirrten .. . und einer der Vermummten,
deſſen Stimme ich wohl kannte, ſang, wie es der Hanſel Brauch
und Recht, den Spottreim:
Wo aus, wo ein, Wachholderbuſch
Vom Turm zu VDeuenhewen?
Gelk, bei der Almishofer Blum'
Wär's luſtiger zu leben? Varréô!
Da hub auch ich mich im Bügel und gab, wiewohl ich kein
Mummfkleid trug, dem Necker als Antwortreim:
Wenn Blumen blühten auf Blumenegg,
Wie ſie ein Herz begehrte,
Wüßt' ich auch einen, der kurzweg
IUm Trab nach Bauſe kehrte. Darréô!
So ritten wir zuſammen in Herrn Markwarts Burgfrieden ein.
Es war kein guter Anfang des Tages.
In der holzvertäfelten Halle hub ſich groß Gedräng und
Durcheinanderwogen. Als Wirt des Hauſes ſchritt der alte
Markwart durch die Reihen, ſeine weiße Zipfelkappe als Nar⸗
renhelm auf dem Haupte... bei ihm, wohlgetan in blühender
Jugend, die drei Töchter. Und ſie empfingen die Gäſte nach
höfiſchem Brauch, hießen ſie mit ſchönem Verneigen willkomm
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