Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 33
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Juniperus. L 33

Diethelm von Blumenegg iſt's, der das Wohl der Almishofer
Roſe trinkt!“ Über die Brüſtung ſchalt Herr Rainald zu mir
herunter: „Iſt das courtoys, des Tanzes Brauch und Ordnung
brechen? Und iſt das courtoys, mit Namen zu nennen, wen
ritterlich man ehrt? Und iſt das courtoys, in Minneſache
Pfaffenſprache?“ Oben am Quell ſtand gekränkt Yrmi, meine
gute blauäugige, ſanft ſich anſchmiegende Tänzerin ... das
Antlitz verfärbt vor Röte und darüber ſtrömenden Tränen. Den
Strauß vor die Lippen haltend, kalt mit durchbohrendem Blick
ſprach die Rothraut zu ihr: „Iſt ein Kloſterlateiner, wird zeit⸗
lebens kein ritterlicher Minner ...“ So ſtürmte es von allen
Seiten wider mich los.
Der gröblichſte von allen war des alten Markwart Vetter,
der Bikk von Almishofen, der auf der Neuenburg an der Gaucha
ſeinen Sitz hatte; der rief: „Holet Strick und Eiſenkette, daß
wir den pfafflichen Ritterknaben gefeſſelt in ſein Kloſter zurück⸗
ſchicken, dem er zu Unrecht entronnen ... die lateiniſchen
Schnäbel taugen nicht zu uns!“
So ſtund ich, ein Unſeliger, im Quell und ſenkte das Aug'
auf den weißen Sand, den das klar aufſprudelnde Gewäſſer
quirlend emporhub. Den Diethelm ließ ich den Pokal nicht ge⸗
winnen, drehte ihn um, daß der goldene Wein ungetrunken ver⸗
ſtrömen mußte in das Donauwaſſer, dann ſtieß ich den Angrei⸗
fer zurück: „Wem nicht gefällt, was ich getan, ſprech' ich, dem
will mein Schwert Antwort ſtehen! Hier aber ſind minnige
Frauen und gaſtliche Wirte ... Vergebung, wenn es zu Unrecht
war. An der Faſtnacht iſt jeder ein Narr in ſeiner Art, Narré!“
Und ich winkte den Spielleuten, daß ſie mit Muſik einfielen,
und ſtieg heraus, mich wieder zu meiner Reigengefährtin zu
geſellen.
Da unterbrach eine fremde Erſcheinung den Tumult.
Auf einem Eſel ſitzend war ein weißbärtiger Alter in den
Baumgarten eingeritten, den hielten die andern Gäſte erſtlich
auch für einen Faſchingsgaſt; entblößten Hauptes, den Leib in
einen groben Sack geſteckt, welcher der Arme Bewegung kaum
freiließ, lenkte er ſein Tier; zur Seite ſchritten zwei Knaben,
Scheffel. II. 3


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