Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 34
(PDF, 34 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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34 Juniperus.

die trugen wie Kirchenfahnen gemalte Bilder an Stangen. Wie
man aber näher zuſchaute, war auf dem erſten Bild der Heiland
gemalt, den geißelte und ſchlug ein Sarazen, ſo daß ſein Antlitz
blutrünſtig war... und auf dem zweiten ſtund das heilige Grab
zu Jeruſalem zu ſehen, das war von Saladins Reitern zer⸗
ſtampft, verunreint, zu einem Stall umgewandelt.
Der Alte auf dem Eſel war der Bruder Berthold von Gna⸗
dental, der drüben in der Scharte des Längenberges hinter Nei⸗
dingen ſein Klausnerhäuslein hatte. „Wehe,“ rief er, „wehe!
in Sack und Aſche klage dich, o Chriſtenheit! ſehet euern Herrn
und Heiland, wie ihn Muhammed der Lügenprophet mißhan⸗
delt; ſehet ſein Grab, für das unſere Väter ihr Herzblut gaben,
wie trauert es itzo geſchändet! Vernehmet die Botſchaft des
Jammers und der Schmach!“ Der Biſchof von Konſtanz hatte
ihm Briefe mitgegeben, von den Chriſten jenſeit des Meeres in
ihrer ſchweren Bedrängnis an den Papſt und ihre abendlaͤndi⸗
ſchen Brüder um rettenden Beiſtand geſchrieben... itzt wollt'
er den Trauerbericht vorleſen über der Tempelherrn Untergang
vor Tiberias, über des heiligen Kreuzſtammes Verluſt, über
des Königs von Jeruſalem und ſeiner Ritter Gefangenſchaft
und all den unſäglichen Jammer, der dem Papſt Urbanus das
Herz gebrochen.
Aber das tanzreigenluſtige Völklein war nicht gewillt, von
Kreuzfahrt und Sarazenenlärm ſein Feſt ſtören zu laſſen, und
der Gnadentaler Einſiedel, dem die großen Jagden ſo manches
gute Stück Wildbret auf den Herd ſeiner Klauſe jagten, war
allen zu wohl bekannt, als daß er Ehrfurcht erregte.
In anderer Zeit als Faſtnacht hätten ſie geweint bei ſeinen
Worten, ſich zu ſeinen Füßen geworfen und begeiſtert das Kreuz
ſich an die Bruſt geheftet, aber ein Schwab läßt ſich die Faſt⸗
nacht nicht ſtören. Bald war er umringt von luſtigen Geſellen.
„Narrö! Bruder Berthold,“ rief ihm der Bikk von Almishofen
entgegen und brachte ihm das volle Reifenglas zu, „ſeid um
drei Tage zu früh ausgeritten, Aſchermittwoch kommt ſpäter,
Narrô!“
„KNehmet hin den Saladinszehnten,“ rief Diethelm von Blu⸗


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