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Anmerkungen. 51
beiden Häuſern infolge einer Heirat im dreizehnten Jahrhundert und nimmt
als möglich an, Neuenhewen mit Zubehör könne als Widerlage der Mitgift
einer Hohenberger Tochter an dieſes Haus gekommen und es könne Herr Rudolf
von Hewen mit einer Schweſter des Grafen Burkard III. von Hohenberg, Herrn
zu Nagold, vermählt geweſen ſein. Es kann aber auch anders zugegangen ſein,
denn trotz der Aufzeichnung des Kaufes im habsburg⸗öſterreichiſchen Urbarbuch
wurden noch 1315 von Rudolf von Hewen dem Jüngeren Anſprüche geltend
gemacht:
1. Mai 1315... Ich Rudolf von Hewen — das ich minemn herre kunig Frid⸗
rich von Rome — geſworen han ze dienen mit zehen helmen wider herzog Lud⸗
wig von Beyern und alle ſine helfer und ſoll ouch ihm bereit ſin mit minen
veſten.. . Umb denſelben dienſt gibet mir min herre dreu hundert und zehen
march ſilbers koſtenſer gewihtes und haben mich ingewiſet uf ir gült zu Mül⸗
huſen, darumb haben wir uns, ich und min ſun, verzihen alle dez rehten
und aller der anſprach die wir heben und gehebt haben. .uf
die Newenhewen und ſwaz darzu gehort und lizzen daz vri und ledig
unſerm herrn und ſinen brudern.
Geben ze Lindowe an unſers herrn ufert tag. Mit dem Siegel des Aus⸗
ſtellers, S. Rudolfi iunioris de Hewen. — Original im Archiv zu Karlsruhe.
Wegen ſolcher und ähnlicher Anſprüche fand im Jahr 1336 nach den Be⸗
richten des Johannes Vitoduranus ſchwere Fehde zwiſchen beiden Häuſern
ſtatt. S. Böhmer, Regeſten K. Ludwigs 118 u. ff.
„Als Graf Heinrich von Hohenberg von den böhmiſchen Feldzug 1336 heim⸗
kehrte, brach zwiſchen ihm und einem Herrn von Hewen Fehde aus. Zwiſchen
dieſem Geſchlecht und dem Hauſe Hohenberg beſtand ſeit geraumer Zeit Feind⸗
ſchaft, welche ſich nun in Angriffen auf Eigentum und Menſchenleben Luft
machte. Jeder fiel mit bewaffneten Haufen in die Herrſchaft ſeines Gegners
ein, trieb Herden und Zugvieh weg und brannte die Wohnungen der Einwohner
nieder. Und zwar fügte der Herr von Hewen dem mächtigeren Grafen größeren
Schaden zu, da dieſer, wegen ſeiner Tyrannei verhaßt, von ſeinen Mannen nicht
gehörig unterſtützt wurde.
Nachdem man ſich mit Rauch und Brand viel geſchädigt hatte, verſöhnten
ſich endlich beide Teile. Ein beſonders gefürchteter Feind der Hohenbergiſchen
war ein gewiſſer Seduloch geweſen, der in Dienſten des von Hewen ſtand.
Im wilden Kriegshandwerk aufgewachſen und wohl erfahren, dabei tapfer,
liſtig und lokalkundig, leiſtete er ſeinem Herren ausgezeichnete Dienſte und
wurde von dieſem nach beendigter Fehde reich belohnt. Schmid, a. a. O. p. 246.
Die weiteren Geſchicke berichtet Ficklers Fortſetzung don Münchs Geſchichte
des Hauſes Fürſtenberg IV, 264. Von Hſterreich gelangte Burg und Herrſchaft
Neuenhewen an Haug von Kürnegg; mit dem Verfall dieſes Geſchlechts an die
Herren von Neuenegg, von welchen mit Bewilligung Herzog Leopolds 1375
Hans der Schnabel von Reiſchach die Pfandſchaft erwarb. Als im 17. Jahr⸗
hundert auch dies Geſchlecht der allgemeinen Verarmung nicht entging, wurde
die Herrſchaft durch das fürſtenbergiſche Amt Hüfingen für die Pfandgläubiger
verwaltet, deren Recht Friedrich Rudolph von Fürſtenberg⸗Stühlingen und ſein
Sohn Maximilian zum Teil an ſich brachten. Dieſe Anſprüche und mit ihnen
den fürſorglichen Beſitz des Schloſſes ſchenkte letzterer 1665 für geleiſtete
Dienſte dem Johann Friedrich Ebinger von der Burg, von welchem Geſchlecht
es 1751 käuflich um 28000 fl. und 100 fl. Douceur an den Fürſten über⸗
laſſen wurde.
Heutigentages iſt die Pracht der Fernſicht das einzige am „Stettener Schlöß⸗
lein“, was unverſehrt geblieben, und auf dem von baſaltigem Geſtein roh zu⸗
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