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Anmerkungen. 55
feld und Blumenberg gemeinſchaftlicher Namensurſprung als „feſte Nieder⸗
laſſung bei angeblümtem Ackerland“ anzunehmen iſt, oder ob lange vor den
urkundlich verbürgten Zeiträumen ein Geſchlecht, das den Eigennamen der
„Blumen“ oder „Blomen“ trug, als kleine Dynaſten in dieſen Burgen ſich ſeß⸗
haft gemacht und weiter verzweigt hat — wer gibt heute Aufſchluß?
Merkwürdigerweiſe finden ſich auch in dem fernen Walgau unweit Feld⸗
kirch bei Sankt Gerold, Thüringen und Ludeſch, ehemals zur Graſſchaft Bregenz
und dem Bistum Chur gehörig, eine alte Burg und Herrſchaft Blumenegg.
„Es iſt aber diß Walgow diſer zeyt gemeinlich Teutſcher ſprach, doch habend
die fürnämſten fläcken gemeinlich alte Rhetiſche namen als Puris.. Pludentz
. . . Nuziders. Es ſind auch etliche ſchlöſſer darinn Teutſcher nammen,
villeycht eintweders aus uralter verlaſſenſchaft der erſten Germanier vor dem
eynniſten der Rhetier da wonhafft, oder hernach durch die vermiſcheten Teutſchen
aufkommen, als Sonnenberg, Blumenegk ꝛc. ꝛc.“ Stumpf, Schweizer Chronik
X, 31. Die walgauiſchen Blumenegger führten dasſelbe Wappen wie die ſchwarz⸗
wäldiſchen, nämlich in regelmäßig wechſelnder Aufeinanderfolge drei rote Quer⸗
ſtreifen und drei weiße Querſtreifen mit blauen ſogenannten Wolken (Kürſch)
und als Helmzier ebenfalls, wahrſcheinlich biſchöflich churiſche Vogteirechte an⸗
deutend, die biſchöfliche Inful. S. Schlehe, Hyſtoriſche Relation oder eygendt⸗
liche Beſchreibung der Landſchaft underhalb St. Luzis Stayg ꝛc. ꝛc. Embs
1616, pag. 56, und C. von Mayers heraldiſches ABC⸗Buch. München 1857.
Tafel LXI. Nro. 5. Ein erhaltenes sigillum Cunradi militts de Blumenberg
an einer Urkunde von 1316, ſ. Zeitſchr. XII, 234.
Die ſchwarzwäldiſche Herrſchaft beſtand außer Dorf und Burgſtall Blumen⸗
egg noch aus Dillendorf dem Turm, Füezen dem Dorf, Grimmelshofen der
Vogtei, Lausheim dem Dorf, Ewatingen Dorf und Burgſtall, Aſelfingen, Opfer⸗
dingen und Eſchah, wozu ſpäter Achdorf und Überach kamen.
Sie blieb nur bis zum Jahr 1366 im Beſitz der Familie, wurde von Hein⸗
rich von Blumenegg, der mit Gräfin Udelhild von Fürſtenberg vermählt war,
angeblich in hochherziger Opferwilligkeit, um zerrütteten Vermögensumſtänden
ſeiner jugendlichen Schwäger und Lehensherren aufzuhelfen, an Egloff von
Wolffurt verkauft, fiel nach oftmaligem Wechſel der Beſitzer ſchließlich durch
Kauf an das Gotteshaus Sankt Blaſien und gehört zur Zeit zum badiſchen
Bezirksamt Bonndorf.
Aus den von Tr. Neugart, Cod. diplom. Alem. tom. II. und Gerbert,
hist. nigrae silvae, ſowie von der Zeitſchrift für Geſchichte des Oberrheins
mitgeteilten Urkunden ſind namhaft zu machen:
1290. Heinrich und Cunrat von Blumenegge, vom Grafen Egino von Fürſten⸗
berg mit ſieben andern ſeiner Verwandten und Dienſtleute der Stadt Villingen
zu Bürgen eines Sühnbriefes geſtellt. Graf Egino nennt ſie „ſine Oheime“.
Original in Villingen, ſ. Gerbert II, 17 und von Schrekkenſtein, wie
kam die Stadt Villingen vom Haus Fürſtenberg an Sſterreich. Wien 1865.
p. 17.
1294. Chunradus de Bluomenegge auf Burg Tannegg im Albgau, Schirm⸗
vogt ſankt blaſiſcher Beſitzungen. Zeitſchr. VI, 229. Vermittler in einem Streit
zwiſchen dem Abt von Reichenau und dem Grafen Heinrich von Fürſtenberg,
Gerbert II, 18. 1313. Käufer einer Wein⸗ und Korngilt zu Amoltern. Zeitſchr.
XII, 88. S. dort nota 2. .
1316. Herr Johans von Blumenegge Ritter ſchließt mit ſeines „Vettern
ſeligen ehelicher Wirthin, Frau Elyzabethun, Herrn Cünrats ſeligen von Blu⸗
menegge“ einen Vertrag „umbe daz nüwe güt ze Lenzkilch, daz min aigen iſt,
daz da hoeret za der Burg ze Ura“. Zeitſchr. XII, 228.
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