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58 Juniperuß
forſchenden Bergſteiger beruhigten, ohne dem geſchichtlichen Rätſel der unter⸗
gegangenen Laubenhäuſer und Miſtelbrunner und der ſeligen Ruchtrut von
Almishofen weiteres Kopfzerbrechen zu widmen.
Das quellumſprudelte Almenshofen im torfigen Wieſengelände war der Sitz
eines in der Baar weitverbreiteten Adels, der auch Güter in Hüfingen, Donau⸗
eſchingen, Opferdingen, den Burgſtall und die Höfe zu Bruggen an der Bregach,
die Neuenburg an der Gaucha mit Bachheim, die Hälfte von Ymmendingen
u. a. beſaß. Sie zählen zu denjenigen landſäßigen Familien, die, ähnlich einer
Ammonitenbank im Grunde des Jurameeres, das den Boden der heutigen Baar
gebildet hat, auf der Scholle, wo ſie zuerſt ſich angeſiedelt, gelebt, ſich ver⸗
mehrt und ihr Ende genommen haben. Auswärtige Taten ſtehen von ihnen
nicht verzeichnet; die männlichen Mitglieder der Sippe waren verſorgt auf
ihrem Beſitz, der zur hegauiſchen Rittertruhe ſteuerte, jüngere Söhne als Pfarr⸗
herren, unverheiratete Töchter als Nonnen im Kloſter zu Neidingen, wo aller
Gebeine ruhen.
Ihr Wappen, ein weiß und rot vierfach geteilter Schild, in deſſen oberem
weißen Felde rechts eine fünfblättrige rote Blume am grünen Stengel, iſt an
mehreren Urkundenſiegeln erhalten (ſ. z. B. Zeitſchrift VII, 167) und in der
Donaueſchinger Wappenrolle abgebildet.
Dokumentiert treten dieſelben ſeit dem XIII. Jahrhundert auf.
Herr Hugo von Almenshofen urkundet 1256 den Verkauf der Burg Dunſel
an den Grafen Konrat von Freiburg, Zeitſchr. IX, 335 not. 7, verſchenkt 1273
ſeine Leibeigene Adelhaidis an das Kloſter Sankt Georgen, Zeitſchr. VII, 167,
bezeugt 1280 bei Freiburg eine Kaufverhandlung und verkauft ſelber 1281 „dur
ſins Herren Grave Heinrich Hant und Willen von Fürſtenberg“ ein Gut zu
Allmendshofen dem Johanniterhauſe zu Villingen. Zeitſchr. IX, 335.
Ulricus de Almishoven miles iſt 1259 Zeuge, als an offener Heerſtraße,
in strata publica, der Abt von Salem den Villinger Bürgern einige Güter
verkaufte, ſ. Fickler, Quellen und Forſchungen ꝛc. p. 91, und 1273 Zeuge, als
in Haigerloch der Freiherr Verthold von Falkenſtein dem Kloſter Offenhauſen
einen Hof ſchenkte, ſ. Sohmid, monumenta Hohenbergica. Stuttg. 1862.
No. 66. — ſcheint aber ſpäter ins Kloſter gegangen zu ſein, denn 1276 bezeugt
mit dem Prior und der ganzen „Samenunge“ (d. h. dem Convent) von Schuttern
auch „Harre Ulrich von Almeshoven“ ein Geſchäft mit den Brüdern vom
deutſchen Hauſe. Zeitſchr. XI, 250.
1324 helfen die von Almenshofen mit Diethelm von Krenkingen und andern
dem Grafen Heinrich von Fürſtenberg in ſeiner Fehde mit der Stadt Villingen.
S. Roth von Schrekkenſtein, wie kam die Stadt Villingen an Sſterreich.
Wien 1866. p. 27.
1379 Bikkt von Almshofen Bürge für Heinrich von Fürſtenberg. Villinger
Stadtarchiv.
Im XV. Jahrhundert lebten und fanden bei den Nonnen von Neidingen ihr
Totengedächtnis: „Hainrich von Allmashoffen der alt zu der Nuwenburg und
Hainrich von Almashoffen ſin ſun und Anna von Almashoffen geborn von
Ertzingen ſin eliche husfraw und Hans Ulrich von Almashoffen und Anna von
Wil ſin eliche Husfraw.“ S. Annivderſarienbuch, ed. Fickler, I. Abt. p. 41,
not. 3 II. Abt. 1846, p. 7, wie auch 1438 als Austräger eines Streites der
Johanniter zu Villingen mit dem Armenſpital „Hainrich von Almishoven von
der Nuwenburg“ namhaft gemacht wird, Zeitſchr. VIII, 243, und 1453 der
„fromme veſte jungkher Heinrich von Almiſshoven der elter zu der Nuwen⸗
burg“ mit Anhängung ſeines Inſiegels den Bürgern zu Hüfingen ihre neue
Stadtordnung beurkundet, Zeitſchr. XV, 42.
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