Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 60
(PDF, 34 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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60 Juniperus.

Was nun die Quellen von Almenshofen und ihre Rangordnung unter den
andern Donaugquellprätendenten betrifft, ſo fühlte ſich ſelbſt der Vicarius per⸗
petuuns Breuninger genötigt, per parentheſin zu bekennen: „wann ich Don⸗
Eſchingen pro patria zu veneriren hätte, deme man ja alles ſchuldig iſt, und
wann weder Brig noch Breg daherumſtrömeten, mir aber allein die geſunde
Vernunft noch übrig wäre, ſo müßte ich dieſe Quelle zu Almetshofen vor den
eigentlichen Urſprung der Donau erkennen“ 1. cit. p. 329 — wie er auch als
alte überlieferung der Einwohner vermeldet, „vorzeyten habe dieſes Flecklein
Almetshofen Donauhofen geheißen, und wie man jetzt von Eſchingen ſage,
daß die Donau da entſpringe, ſo habe mans von Almetshofen geſagt. Nach⸗
dem aber Don⸗Eſchingen angewachſen, groß worden und Herren drein kommen,
ſo habe man, weil auch ein ſchöner Brunnen drinnen ſei, angefangen, denſelben
vor der Donau Urſprung auszugeben, und damit es deſto beſſer aufkomme,
ihrem Flecklein von da nicht mehr Donau⸗, ſondern Almetshofen geſchrieben
und geſagt, und den Ausfluß ihrer Quelle den „Brunnbach“ genennet.“
Und beſtätigend erzählt Bucher im Urſprung der Donau p. 27: „Nachdem
ſich zwiſchen denen Beſitzern des Dorffs Allmenshoven und denen von Don⸗
eſchingen deßwegen ein Streit erhoben, weil jene ebenfalls eine bei Allmens⸗
hofen ſtark fließende Quelle einfaſſen laſſen und vor den Donauquell ausge⸗
geben, ſolchem nach unſerm Doneſchingen die Ehre, den Donauquell bey ſich
zu haben, disputirlich gemacht, ſei durch hohen Ausſpruch die in dem Donau⸗
eſchinger Schloſſe gefaßte Quelle für den ächten Donauurſprung erklärt worden.“
Trotz des wider ſie ergangenen Machtſpruches ſprudeln übrigens die Almens⸗
hofer vier Quellen noch immer kräftig und lebensfröhlich auf, und „wann es
auff den Umfang der Quelle, die Größe und Vielheit des Waſſers ankommt,
ſo iſt“, — wie der Vicarius von Sankt Georgen energiſch wiederholt, „dieſe
Almetshofer unter denen drei Hauptquellen die vornehmbſte.“ — Wer jedem
das Seinige gönnt, der wünſcht indes weder dieſer harmloſen Frage vom
Donauquell, noch jenen weltbewegenderen Fragen, die an den Donaumündungen
des Austrags harren, Löſung durch das „Recht des Stärkeren“.
Die in hohes Altertum hinaufreichende Sitte, den Urſprung eines Stromes,
deſſen Waſſer als beſonders heilig und heilfam galt, durch Hineinſpringen und
Untertauchen zu verehren (ſiehe Runge, der Quellcultus der Schweiz), iſt
bezüglich des Quells im Schloßhofe zu Donaueſchingen ſchon im 17. Jahr⸗
hundert als „alter Gebrauch“ dokumentiert und hat, im Charakter jener Zeit
ausgeführt, zu manch derbem Scherz Anlaß gegeben. Die Fürſtliche Bibliothek
bewahrt einen braungebundenen Folioband in Goldſchnitt, genannt das „Donau⸗
protokoll“, welches Landgraf Ferdinand Friedrich († 28. Aug. 1662) im Jahr
1660 neu geſtiftet hat, „dtemnach durch daß im Teutſchlandt langwüriges ver⸗
derbliches kriegsweſen zu deme in dieſer Gräffl. Fürſtenberg Reſidenz Donau⸗
weſchingen entſpringenden weit berüembten Flus gehörendes Protocollum, wor⸗
innen Ertzhörtzogen, Hertzogen, Fürſten, Marggrafen, Grafen, Herren und Edle,
welche altem gebrauch nach zu ainem Willkom und Ewiger Ge⸗
dachtnus in diſen Brun geſprungen, mit agigen hannden ſich ange⸗
ſchriben, verlohren worden.“
Dies Donauprotokoll aus den Jahren 1660 bis 1665 enthält in deutſcher
und franzöfiſcher Sprache eine Reihe luſtiger, meiſt gereimter Einträge ſolcher,
die den feſtlichen Willkommſprung getan und gleichſam noch triefend und
frierend vom kalten Donaubad ihre Empfindungen bei dieſem Abenteuer der
Nachwelt aufzeichneten. Mit Doppelhaken oder Piſtolenſalven und Böller⸗
ſchüſſen wurden die Gäſte, auch in kühler Zeit des Vorfrühlings, zum Sprung
animiert, ein Tuſch von Trompeten und Heerpauken begrüßte die Hineinge⸗


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