Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 61
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Anmerkungen. 61

ſprungenen, ein ſtattliches Stengelglas, genannt die „Sackpfeife“ und gefüllt
mit „ehrlichem“ Moslerwein, wurde den Frierenden zu innerer Erwärmung
hinabgereicht und von ihnen auf das Wohl des edeln Hauſes am Donaugquell
geleert. Im Torhäuſel hinter dem Ofen war den alſo Getauften und vor Froſt
Zitternden Gelegenheit geboten, wieder in trockene Kleider zu fahren und einen
Reim zum Eintrag in das Protokoll zu erſinnen.

Die von Urslingen.

Ursilinga — Urſelingen — Irslingen, Dorf und Burg nordöſtlich von
Rottweil am Bach Schlichem, Stammſitz der freien Herren von Urslingen.
Die Bewegung, welche während der hohenſtaufiſchen Reichskriege in Italien
ſo manches oberdeutſche Adelsgeſchlecht erfaßte und tapfere Degen von der
heimiſchen Scholle hinweg in neue Wirkungskreiſe verſetzte, eröffnete auch den
Urſelingern eine unerwartete Laufbahn. Siehe Uhland in Pfeiffers Ger⸗
mania I, 317.
Ahnlich wie ſein Waffengefährte Markwart von Annweiler, welchem hohen⸗
ſtaufiſcher Dienſt die Würde eines „Seneſchall des Reiches, Herzog von Ra⸗
venna und Romaniola, Graf von Moliſi“ eintrug, wurde Konrad von
Urſelingen vom Kaiſer Friedrich Rotbart 1183 zum Statthalter von Spoleto
erhoben und mit der Herzogswürde bekleidet. Unter Kaiſer Heinrich VI.
Reichsverweſer in Sizilien, nach deſſen Tode 1198 von der päpſtlichen Partei,
der er vergeblich eine Abfindungsſumme anbot, nach Deutſchland zurückge⸗
drängt, vererbte er ſeine glänzenden, aber unſicheren Anſprüche auf ſeine
Söhne Rainald und Berthold, welche in engem Anſchluß an den Hohen⸗
ſtaufen Friedrich II. große Anſtrengungen machten, ihr „Herzogtum Spolit“
wieder zu erkämpfen und es auch wirklich vorübergehend wieder erlangten. Als
Friedrich II. ſich 1228 zum Kreuzzug bereitete, ernannte er für ſeine Ab⸗
weſenheit Rainald, den Herzog von Spoleto, zum Reichsverweſer in Unter⸗
italien. Sein Bruder Berthold war 1226 Statthalter in Tuscien.
Nach dem Untergang der Hohenſtaufen definitiv aus Italien vertrieben, führ⸗
ten die Nachkommen dieſer Brüder auf ihrer kleinen Stammherrſchaft im
Schwarzwald ihren Herzogstitel fort. Wie im XIV. Jahrhundert Werner
von Urſelingen als „Duca Guarnieri, gefürchteter Führer der großen
Kompagnie, Feind Gottes, des Mitleidens und der Erbarmung“, in Welſch⸗
land hauſte und die Vertreibung ſeiner Ahnherren mit Krieg und Raub zu
rächen ſuchte (1342), iſt bekannt.
Ebenſo das ſchickſalernſte Herabſinken des einſt ſo romanhaft emporgeſtiegenen
Geſchlechtes, deſſen letzter Rainald nach des Geſchichtsſchreibers Tſchudi
gröblichem Ausdruck „als ein armer verdorbener Bettelherzog zu Schiltach
am Schwarzwald ſaß“, ſeine Zeit in kleinlichen Fehden, Freibeutereien und
Händeln mit ſeinen ſchwarzwäldiſchen Nachbarn zubrachte und um 1446 als
ein bei den kaiſerlichen Landgerichten vielverklagter und vielverurteilter Mann
mit Helm und Schild zur ewigen Ruhe einging. S. Zeitſchr. für Geſch. des
Oberrheins VI, 474. XIV, 225. .
Wer ſich vollſtändig und urkundlich über die Urſelinger zu unterrichten
wünſcht, findet reiche Literatur:
S. Fickler, die Herzoge von Urslingen, und Herrn von Rappoltſtein in
Kaſts Archiv für Geſchichte, Genealogie uſw. Stuttgart 1846.
F. X. Bronner, Abenteuerliche Geſchichte Herzog Werners von Urslingen.
Nebſt einer Geſchichte der Herzoge von Urslingen, Aarau 1828.


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