Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 66
(PDF, 34 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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66 Hugideo.

aufgeſchoſſene blondlockige, rotwangige Geſtalt, aber kein Land⸗
bürtiger, trug ein faltig Gewand, wie einer, der bei den Rö⸗
mern drüben gehauſt, und ſchien einen ſchweren Kummer als
Reiſegepäck mit ſich zu führen, denn er ſchaute oftmals in des
Rheines grünflutende Wogen, als zög' es ihn zu ihnen hinunter
und möcht' er am liebſten auf kühlem Stromgrund ſein Quar⸗
tier nehmen.
Wie er aber auf einſamer Wanderung jene Kalkwand er⸗
ſchaute und über Stein und Fels pfadlos bergan ſchritt, gefiel
ihm der Platz, denn in der Bergwand war ein ſchattiger Höhlen⸗
raum, wo ſich ungeſtört in den Rhein hinunter und zum Voge⸗
ſenwald hinüberſchauen ließ; kein Menſchenlärm umtönte ſein
Ohr, und friedlich und groß trug der Strom ſeine rauſchende
Flut vorüber.
Der Mann hieß Hugideo und ſprach: „Hier will ich ein Neſt
in den Fels bauen, wie eine Mauerſchwalbe, und in Frieden ge⸗
harren, bis mein Tag ſich neigt, das ſoll meine letzte Kunſt
ſein!“
Am Rhein drunten fand er einen alten Salmenfiſcher, der
hieß Nebi und gab ihm Beſcheid, daß niemand einen Zwing
und Bann über den Klotz von Iſtein übe, und daß Neſter bauen
könne, wer da Gelüſt trage und des Mauerns kundig ſei.
Da hub der Fremde an ſich einzubauen in die Höhlung des
Felſens; er ſchien den Römern ein Stück ihres Architekturwe⸗
ſens abgeſehen zu haben: in kurzer Friſt ſtund ein ſteinern Gelaß
keck und wohlgeſchirmt in ſchier unnahbarer Abgeſchiedenheit
errichtet — ein Klausnerhäuslein, wie dazumal an manchem
italiſchen und galliſchen Berg manches eingeklebt ſtund, denn
ein anſtändiger Menſch hatte in ſelbiger Zeit eher Drang und
Grund, die Welt zu fliehen, als ſie zu ſuchen.
Wie es fertig war, ging der neue Siedel auf etliche Tage von
dannen über den Rhein hinüber, und wie er wieder kam, trug
er einen Korb mit Fiſch⸗ und Jagdzeug auf dem Rücken und
eine ſchneeweiße Marmorbüſte auf dem Haupt und trug Geräte
und Marmor den Berg hinan in ſeine Klauſe.
Die Büſte aber war das Abbild einer jugendſchönen Röme⸗


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