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Bergpſalmen. 79
Die menſchengelärmlos entgegen dir lacht:
Rauhzackige Gipfel umſäumen die Höh',
Fern unten erſchimmert ſmaragdgrün der See,
Vom kreiſenden Habicht umflogen.
Mit rüſtiger Arbeit und rüſtigem Beten
Verſcheuch die Verſuchung und trotze den Nöten,
Die Weltfernen drohn in der Wildnis.
Dem Bienengeſumme im Wieſengeblüm,
Fromm lauſche du ihm
Und trachte nach Honig der Weisheit.
Ein Hauch des Allmächtigen ſchwebt ob dem Land,
Und greifſt du zum Pſalter mit ſchwieliger Hand,
So fliehn die Dämonen und Teufel.
Noch iſt's, wie David der König gepſalmt:
Wie dick auch der Nebel der Torheit erqualmt,
Mit dem Frührot ſcheucht ihn die Sonne.
Siegkühn wie ein Bräutigam kommt ſie heran
Und freut wie ein Held ſich, zu laufen die Bahn
Strahlend allum.
Die Himmel verkündigen Gottes Lob,
Seine Hand iſt's, die unſer Erdlein wob,
Laut ſagt ein Tag es dem andern.
Sturm.
Sturm kam geſchnoben
Nächtig mit Toben,
Mit ſauſendem Braus, mit Blaſen und Raſen;
Aufſtöhnte der Wald
In des Bergföhns Gewalt.
Durch Fugen und Ritzen der Blockhausſtämme
Drang, ſpottend der ſorglichen Moosverſchließung,
Schneidiger Hauch. Er ſcheuchte vom Schragen.
Und ich hub mich hinaus vor die Pforte der Klauſe
Barhäuptig, flatternden Bartes,
Und ich beugte ein Knie, demütig erſchauernd,
Denn ich erkannte die Stimme des Herrn,
Der auf Flügeln des Windes im Sternenſchein
Gewaltig dahin fuhr.
Er aber ſprach mir:
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