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Bergpſalmen.
Das Letzte, woran noch das Aug' ſich geweidet,
Der Schattenbäume grünlabendes Bild,
Sie löſchen es aus,
Alles umſpinnt ſich mit nächtigem Graus!
Kaum iſt er oben, flieht er zerſtoben,
Vorwärts gejagt und von dannen geſchoben,
Und neue Scharen eilen im Flug
Den erſten nach!
Hei, wie ſie drängen und nahen und kommen!
Das Nebelheer hat meinen Engpaß erklommen,
Von allen Seiten quillt es herein
Und füllt ihn mit dämmerndem, bläßlichem Schein.
Finſtre Gewalten,
Nachtluftgeſtalten,
Seid mir verflucht!
Was durchhetzt und durchſetzt ihr die Falkenwandſchlucht?
Tut Widerſtand, zage, ſo ihr's vermögt,
Stellt euch dem Föhn, der den Nacken euch ſchlägt,
Rauft euch mit ihm, ſo ihr Kampfſpiel begehrt,
Nicht mit mir!
Umſonſt. Mein beſchwörender Bann prallt ab.
Krallend ſich ballend,
Gleitend ſich ſpreitend,
Keuchend ſich ſcheuchend jagt alles dahin,
Ein unzähliges Volk, ein unſeliges Fliehn.
Ich ſeh' euch erwogen in ſauſendem Flug.
Sagt an, ihr im ſpukhaft zerrinnenden Trug:
Kenn' ich euch?? G
... Sie ſchweigen und neigen
Die blaſſen Häupter,
Sie blicken und nicken
Und ſchießen vorbei....
Wer iſt euer Meiſter?
Seid ihr in Kümmernis irrende Geiſter,
Verſtorbener neckiſch unruhige Seelen,
Die ſich zur Erlöſung die Einſamen quälen?
Seid ihr lebendige Genoſſen der Zeit,
Die den Körper mit zaubriſchen Künſten gefeit,
Die ſich verwandeln in Waldſchratsweiſe,
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