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Bergpſalmen.
Werwölfiſch Geſpenſt, das die Seele benagt,
Unſelige Erinnerung ſeliger Jagd.
„Herr, führe uns nicht in Verſuchung!
Sonnenſchein.
Beſchuhe den Fuß, Falkenſchluchtklausner!
Entheb dich der Zelle,
Die Sonne lacht helle.
Nach Nebelgewog, nach unendlichem Grau
Steht der Himmel gebadet im Maimorgentau
Und leuchtet verjüngt in erquickendem Blau.
Auf und hinaus im ſonnigen Licht,
Über moosumſponnenes Trümmergefels,
Wo jenſeit zahllos erdunkelnder Stämme
Fernwogend durchſchimmert der Fluten Grün,
Zum See laß uns ziehn!
Ein Biſchof,
Und wenn er entſagend zur Wildnis gegangen,
Denkt allzeit, ſich etwas zu fahen und fangen;
Sind's eelen nicht,
Sei's doch für den magern vielfaſtenden Tiſch
Ein Fiſch!
Auch Petrus, eh' Menſchenfiſcher er ward,
Hat nicht ſich den Mühen des Netzwurfs geſpart.
Fanggarn hervor, Stricke und Zeug!
Hinaus an die Falkenwand wollen wir rudern,
Ob an der Angel, die jüngſt wir gelegt,
Sich Beute bewegt.
Aus felsumſchloſſenem Waldverſtecke
Fürſichtig betret' ich der Seebucht Ecke,
Allwo an lauſchig verborgener Lände
Ein Fahrzeug ruht, das Werk unſrer Hände,
Ein Einbaum.
Fürwahr, auch der Strengſte im Tadeln und Schmahn
Wird nimmer geſtehn,
Daß er am Kahne, den hier wir erbaut,
Zuviel von Pracht,
Zuviel von Kunſt und Verſchwendung erſchaut.
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