Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 93
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Bergpſalmen. L 93

Jenes Auges mußt' ich gedenken
Und ſeiner herzwärmend unſchuldigen Kraft,
Da ich, von fernen Lawinen umdonnert,
Durch Trümmerhalden bergabwärts mich ſchwang.
Und noch dacht' ich des lächelnden Kindes,
Des Angeſichtleins voll Menſchengüte,
Als ſchon des Hochtals Schneeurgroßvater
(Wie das Bergvolk ſcherzend den Gletſcher getauft),
Gleich einem Toten ſteinwandumſargt,
Weit hinter mir lag, ſamt dem Bahrtuch von Schnee.

Vor mir, ein Gruß aus den Reichen des Lichtes,
Hub ſich zu Füßen, wo kaum erſt das Eis ſchmolz,
Pflanzenwuchs, der ſpärlich erſte
An der Grenzmark ewiger Starrheit.
Mooſe und Flechten begannen zu gilben,
Zwergfichten lüpften ihr krüppliges Aſtwerk
Mühſam vom Boden, den ſie umkriechen,
Und rings erblühten, mit denen den Hut
Gern die Sennerin ſchmückt und das Mieder der Bruſt,
Myrtillen, zierliches Heidekraut,
Jochrauten, Steinbrech und blaulicher Speik
Und die ſchmuckſte von allen, die blätterrauhe
Dornloſe Roſe der Alpen.
Schmetterlingvolk ſchwärmte und Bienen,
Grillen ſelbſt hatten ſo hoch ſich verſtiegen
Und zirpten ein ſonnebegrüßendes Lied.

Und ich ſpürte der Schöpfung wärmeren Odem,
Und wie mit Stimme des lächelnden Kindes
Sprach es in mir nach der Eisfeldbefahrung:
. Gott iſt das Leben,
Gott iſt die Liebe!

Heimkehr.

Das Jahr geht zur Neige mit frierendem Graus,
Nun ſchirmt uns nimmer das Holzſtammhaus,
Eiszapfen umflirren das Dach ſchon.
Abträufend Getropf vom Deckengebälk


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