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Waldeinſamkeit. 103
Sie ſchwärmte in enthuſiaſtiſchem Dunſt
Für ſüdlichen Himmel, italiſche Kunſt;
Vielleicht daß als fernes Motiv dabei leiſe
Den Gedanken obſchwebte die Hochzeitreiſe.
Er ſprach: „Was ſcheren mich Pinien und Palmen?
Im Latſchengeſtrüpp, im Wildheu der Almen,
Überall, allübrall iſt's künſtleriſch ſchön,
Man muß nur richtig zu ſchauen verſtehn!
Ja man könnt im Revier hier, würd's einer bezahlen,
Ein ganz Belvedere zuſammenmalen.“
„In der Kunſt gibt's eben,“ warf ſpöttiſch ſie hin,
„Einen niederen und einen höheren Sinn.“ —
Item, ein Wörtlein das andere gab,
Man reiſte nicht ohne Verſtimmung ab
Und ahnte ſelbzweit noch nicht, daß ein Zwiſt
Sich entfaltender Neigung Anzeichen doft iſt.
Als jedes zu Hauſe, kam jedem die Reue;
Sie ſchmollte, und Waldfreund brummte, der treue:
„Statt Rache zu nehmen mit ſtrafendem Eiſen
Will ich mein Wort durch die Tat ihr beweiſen,
Ich zeichne ein Album, Granatelement!
Vom Schratbergrevier, daß ſie reuig erkennt,
Daß Unſereinen man nicht braucht zu zobeln,
Noch ihm einen niederen Sinn abzuhobeln!“
Geſagt und getan! Stets iſt es zu loben,
Verſtimmung der Liebe in Kunſt zu vertoben.
Ein ſtrammer Reviergang gab ihm den Plan
Zum ganzen zwölfblättrigen Album an,
Denn ihr Antlitz, rotweiß wie Pfirſichblüte,
Konnt' er doch nicht vergeſſen in Groll wie in Güte.
„Ich will,“ ſchrieb er damals, „zuſammen mich raffen
Und eine Reihe von Waldſzenen ſchaffen,
Bald freundlich, bald ernſt, wie empfänglich Gemüt
Sie erfaßt, wenn poetiſche Stimmung ihm blüht,
Wenn der Wandrer früheſtens auf ſich macht
Und im Wald verbringt einen Tag, eine Nacht.
Vorüber am baum⸗ und ſtaffageloſen Moor
Geht's im Frühling friſch zum Waldeingang empor.
Am ſickernden Waſſer ein Vögleinpaar ſingt,
Wenn durch tiefſtes Dickicht der Sonnenſtrahl dringt.
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