Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 105
(PDF, 34 MB)
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Waldeinſamfkeit. 105

Erſtes Blatt.
über Heide und Moor.

Im Zwielicht des Morgens entſchreit ich dem Haus,
Und rück' halbverſchlafen als Freibeuter aus,
In hohen Gedanken und Stiefeln.
Wohl trag ich die Büchſe, doch jag ich kein Wild,
Nur hier und dort eine Stimmung, ein Bild,
Wie Zufall der Wandrung es bietet.
Auf denn und vor!
Durch Schilf und durch Rohr
Zum Hochwald empor
Über Heide und Moor!
Breit dehnt ſich die Fläche in dämmerndem Schein,
Und Nebel der Frühe ſpielen herein
Aus dem Erlengebüſch, das die Niederung ſäumt,
Wie Träume, die einer vor Hahnenſchrei träumt.
Der Boden ſchwankt hohl unter tretendem Fuß,
Schuhwerk will mit Waſſer ſich füllen,
Denn hohl iſt alles, vertorft und verfilzt, .
Und ſumpfig vermooſt, daß kein Baum mehr gedeiht,
Als melancholiſch die Föhre des Moors,
Die mit ſchwankendem Stamm und zerzauſtem Geäſt
Windſchief aufſteigt aus dem Röhricht.
Da, dort erblinkt mit trägſtehender Flut,
Von des Enzian Wurzel goldbraun gefärbt,
Buchfichtenumſäumt ein Getümpel,
Von ſeidenſchwarz glänzendem Rohrkäfervolk
Und Fröſchen beſucht
Und in Wirrnis bedeckt
Von der ſchwimmenden Waſſernuß ſchwärzlicher Frucht.

Wohin biſt du verdunſtet, vorzeitliche See,
Die hier einſt gewogt, und ihr, Rieſengetier,
Das hier ſich geäſt am Ufermoraſt?
Noch gibt uns Kunde tief unten im Tuff
Das Schaufelgeweih, das der Rieſenhirſch einſt
Und der Elch abwarf, .
Und des Urſtiers mächtiges Stirnhorn.
Der See ward zu Schlamm und der Schlamm ward zu Torf,


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