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Waldeinſamkeit. 107
Die Flinte unblank und ſorglich verhüllt,
Und rede mit euch dann ein Wörtlein!
Schon ſtürzen ſie ab und pfludern einher,
Pünktlich wie die Uhr
Ein Viertelſtündlein der Sonne voraus.
Kühl weht die Frühluft, ſie kündet ihr Nahn
Mit leiſen Schauern der Ehrfurcht an.
O du goldener Glutſtreif im Oſten dort,
Du Weltlicht, das in dem Tautropfen ſtrahlt
Wie im Menſchengemüt,
Sei gegrüßt, und führe mich glücklich!
Zweites Blatt.
Waldeingang.
Glück auf, mein Marſch hat den Hochwald erreicht,
O Luſt, ihn zu beſchreiten,
Sein Ruch und Duft erfüllt die Bruſt,
Hochatmend will ſie ſich weiten!...
Das kleine Geſtrüpp, das kriechende Zeug
Verbleib in der Niedrung und tu, was es kann!
Starkſtämmig ragt er, ſturmtrotzend und kühn,
Und nicht ohne Ehrfurcht betrete ich ihn
Gleich dem, der einer Verſammlung ſich naht
Der beſten Männer des Landes.
Noch dämmert die Frühe, noch ſcheiden ſich nicht
Im Sonnglanz die Maſſen mit Schatten und Licht.
Ein mächtig Eichenpaar hütet den Eingang.
Der Tiras bellt laut und ſpringt wedelnd empor,
Weil flüchtigen Hupfs das Eichhorn vom Gras
Aufklettert zum höchſten der Wipfel.
Betretener Pfad führt voran. Es ſenkt
Mit bemooſtem Geſtein eine Halde ſich;
Das Bächlein ſickert mit frohem Gemurr
Durch das rote Gefels
Und trägt zu Tale des Himmels Tau
Und die quirlenden Quellen des Mooſes.
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