Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 109
(PDF, 34 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0109
Waldeinſamkeit. 109

Drittes Blatt.
Morgengeſang.

Waldeinſamkeit, Waldeinſamkeit!
Hier winkt ein Plätzchen, dir geweiht. L
Verſchwunden die Fernſicht auf Täler und Au,
Verſchwunden des Himmels reinſtrahlendes Blau,
Nur lichtgrün verſchwiegene Wildnis allum
Und der Hainbuchen Scharen verträumt und ſtumm.
Man meint zu vernehmen im lauſchenden Geiſt
Wie ſchwellend ihr Saft durch die Stammfaſern kreiſt.
Wie ein Regenbogen mit Goldflimmerſchein
Fällt ein Sonnenſtrahl ſchräg in das Dickicht herein.
Eine Sandſteinplatte wölbt ſich als Steg,
Ein Quell rinnt träufelnd darüber hinweg,
Gebüſch, dürre Aſte und Ranken von Dorn
Sperren wildwuchernd die Pfaäde nach vorn.

Das einz'ge, was Laute des Lebens anſchlägt,
Iſt ein Buchfinkenpärlein, das munter ſich regt;
Das eine ſitzt auf dem ſchwanken Geſträuch
Und wiegt ſich und ſchaukelt ſich keck auf dem Zweig,
Das andre freut ſich des Sonnſtrahls im Laub
Und der Irisfarben im Waſſerſtaub,
Schwingt im ſchimmernden Flimmer auf ſich und nieder,
Badet im Sprühregenduft das Gefieder
Und trocknet ſich wieder; “
Und ſie wetzen die Schnäbel zum Morgengeſang.
Dreiſilbig im Wort, ein kurzer Akkord,
Schallt ihr Frühlingskonzert das Dickicht entlang.
Und das Männchen ſingt hin:
„Eins allein.. Not und Pein!“
Und das Weibchen ſingt her:
„Ich und du... Glück und Ruh!“
Und das Männchen ſingt hin:
„Eigen Neſt... ſtets das Beſt!“
Und das Weibchen ſingt her:
„Eins und Zwei... bald auch Drei!“
Und beide ſtimmen nun höher den Laut
Und zwitſchern helljubelnd wie Bräut'gam und Braut:


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0109