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Waldeinſamfkeit. 111
Vom geräuſchloſen Walten der Einſamkeit;
Das Gähnen bedeutet die Langeweil'
Des Vergeſſenſeins.
Und ich kenne den Traum, und ich deut' ihn:
Es träumt vom Feſt des Hubertustags,
Wenn die kurze Meſſe der Jäger zu End,
Und der Hof ſich füllte mit Roſſen und Herrn,
Mit Jagdkavalieren im Dreieckchapeau
Und Damen im Reifrock von Seidenbrokat,
Mit Schönheitspfläſterlein ſchwarz von Taft,
Mit Schminke geſchmückt und mit Puder.
Geſchäftig umher der gewaltige Schwarm
Von Büchſenſpannern, Leibjägern, Pikörs,
Heiducken und Läufern, Horniſten zu Pferd,
Und die kläffende Meute der Rüden am Seil
Der Valet des chiens und der Hofmohr.
Da harrten ſie alle des hohen Moments,
Wenn Seine Erlaucht der Schloßherr erſchien
Und aufs Roß ſich zu ſchwingen geruhte,
Wenn der Jägermeiſter trat meldend heran:
„Der Hirſch iſt lanciert,
Dort ſprengt er im Buſch nach den Feldern!“
Dann Huſſa hallo! laut ſcholl das Gebell
In der Huftritte Schlag und der Pferde Gewieh'r,
Fort tobte die welſche Parforcejagd,
Bis weit aus der Ferne verklingender Ton
Des Halaliwaldhorns, die Nachricht verbracht',
Daß der Sechzehnender gefällt ſei.
Erſchien dann der Abend, da glänzte im Strahl
Kriſtallner Kronleuchter demanten der Saal,
Den der Sonnenſtäubchen einſamer Tanz
Itzt durchflimmert,
Und Geigenſtrich, zierlich geſchnörkelt im Ton
Wie Koſtüm und Bauform und Mode der Zeit,
Rief Jagdfrack und Reifrock zum Gala⸗Menuett.
Hier aber im Hof, wo des Mittags Lich
Grell die Freitreppe ſäumt,
War tolles Gewühl — im Fackelſchein
Trugen die Jäger den Edelhirſch ein
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