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Waldeinſamkeit.
Und brachen ihn auf,
Und von der Eſtrade, die dicht umrankt
Von Eppich, Geißblatt und Schlinggewächs
Verſunken dort ragt,
Warf man der Meute ihr Jägerrecht vor
Vom zerſtückten Hirſch;
Frei losgekoppelt in knurrender Wut
Erſtritten ſich Hardi und Picas ihr Teil
Von Herz und Leber und Eingeweid,
Und hellauf lachten des Lärms der Cürée,
Heiduck und Pikör und der Valet des chiens,
Und Jean Pierre Negre der Hofmohr..
Wo ſind ſie nun all? VWo die Lenker der Jagd?
Wo die Damen in turmhoher Haarwulſtfriſur
Mit den Abſatzſtelzchen des Ballſchuhs?
. . Verweht wie Herbſtlaub im Winde!.
Fünftes Blatt.
Nach dem Windbruch.
Gewitter hat drüben den Bergtann durchtoſt,
Gewaltig erboſt,
Hat geſtürmt und gewettert, hat alles zerſchmettert,
Und nicht ohne Trauer um ſolch ein Stück Forſt
Betret' ich den Ort der Verwüſtung,
Da liegt in chaotiſchem Durcheinand'
Von der Axt nicht gefällt,
Vom Windbruch gebrochen, geknickt und derſpellt,
Die Zier der edelſten Stämme.
Die einen ſamt Erde und Stücken vom Berg
Und wild verſchlungenem Wurzelwerk
Aus dem Boden gelüpft,
Als wäre ein Sturmbock mit eherner Stirn
Dawider gehüpft
Und hätte ſie niedergeſtoßen.
Die andern verbogen, verrenkt und zerſtückt,
Wie dürre Reiſer entzweigeknickt.
Vorn links die altmächtige Rieſenfichte
Hat lang ſich gewehrt,
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