Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 113
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Waldeinſamkeit. 113

Hat ſich widergeſtemmt und gerauft und gerungen,
Bis auch ſie der Sturm als Meiſter bezwungen.
Noch hält die Rinde am übrigen Stumpf
Den geſunkenen Rumpf,
Hoch bäumt und aufdacht ſich ihr Aſtwerk.
Das iſt des Windbruchs unwirſche Art:
Die Starken gefällt und die Krüppel geſpart!
Wer kraftvoll der Jahresringe Zahl
Auf hundert erweitert und hundert und einen,
Liegt neben dem Jungen, der fern noch vom Ziel.
Der Förſter kommt, zählt die Häupter der Lieben,
Was fehlt wird in die Tabelle geſchrieben
Und nach dem Kubikwert berechnet.

Im Mittelgrund aber hält ſtolz eine Schar
Aufrecht die zerzauſten Nadelhäupter
Und ſchaut in die Täler vom Bergeskamm
Mit gelichteten Reihn, aber ungebeugt ſtramm,
Ein ſtattlich ſchlank Völklein Weißtannen.
So ruht am Abend der Völkerſchlacht,
Wenn der Weltgeſchichte Donner verkracht,
Nach der Kugeln verheerendem Hagelſchlag,
Am Platze, wo jeden der Sturmtod gefällt,
Held neben Held auf der Ehre Feld.
Die Übergebliebnen — der Tag war heiß —
Trocknen die Stirn, die geſchwärzte, vom Schweiß
Und ſchließen neu ihre Lücken,
Hoch fliegt die ſiegreiche Fahne.
Noch ein treu „Fahret wohl“ als Scheidegruß
Den Gefallnen der Schar,
Dann zum Himmel den Blick
Und neuem Geſchick,
Neu blitzendem Wetter und Kugelregen
Die Heldenbruſt, die tapfre, entgegen!...

Sechſtes Blatt.
Einſame Blumen.

Nebel wallen, Wolken fliegen,
Der Fuß ſpürt, daß er hoch verſtiegen;
Scheffel. II. 8


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