http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw2/0120
Waldeinſamkeit.
Hell blintt Torgitter und Pfeilerportal,
Drei Stufen führen herunter
Zum Höflein, und am verſchilften Kanal
Nährt ſich der Entenſchwarm munter.
Efenu und wilde Rebe ſchwankt
Ob der Hofmauer rinnenden Bronnen,
Hält Hag und Laubgang kraus umrankt
Und die Erker mit Dickicht umſponnen.
Gott grüß dich, Schlößlein, Waldidyll,
Das ſtets nach Nöten und Fehden
Raſt bietet friedſam, flott und ſtill,
Ein buſchverborgen Eden.
Dem Rauchwölklein ob dem Kamin
Sei fröhlich zugejodelt,
Es kündet: in der Küche drin
Die Mittagſuppe brodelt.
Die Suppe kocht lieb Mütterlein;
Schau, ſchau, ſchon naht ſie in Eile,
Mit der ich mutterſeelenallein
Die ſtille Heimat teile.
Schon perlt im Krug ihr Willkommgruß,
Drum ſoll mein Lied hier enden...
Ruh' aus, müd Herz! Mein Schickſal muß
Zu Schick und Glück ſich wenden.
Nachwort.
Als ſo Meiſter Waldfreund den Heimſitz begrüßt
Und des Mütterleins ſorgliche Hand geküßt,
Gedacht' er, ſtreng einſam ſich einzurichten
Und ſo lang zu zeichnen, ſinnieren und dichten,
Bis die Fülle von Stoff, die ſein Gang ihm geſpendet,
Zu ſtattlichem Album mit Text ſei vollendet.
Schon ſah er im Traum den ſaffiangrünen Band,
Darauf goldig gepreßt „Wilhelmina“ ſtand,
Und gab ſeinen Werbungs⸗ und Zukunftsplan
Mit hoher Begeiſt'rung dem Mütterlein an.
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