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Das glückhafft Schiff. 139
Drum möchten wir dem Königsſohn aus Norden
Faſt zürnen, daß dem Heimatland ſo ſchnell
Als kühner Wikingmann in Frithjofsart
Er unſer Kleinod Wikky uns entführt.
Da tröſtet nur: Er meint's ſo gut wie wir
Und wohl noch beſſer.. und Du willſt's ja ſelbſt!
Vertrauensvoll ſind unſrer aller Herzen:
Er wird ſie pflegen unſre zarte Blume,
Daß ſie im Norden kräftig Wurzel ſchlage,
Und daß kein kalter Luftzug ſie verſehre;
Der Segen Gottes lenke ſeine Wege,
Daß als ein tapfrer Enkel Guſtav Adolfs,
Wenn Feinde drohn, in Schlachtgebraus und Sturm
Er ebenſo, wie koſend in der Heimat,
Stets freudig rufen mag: Viktoria!
So wollen wir uns gerne dann beſcheiden,
Daß wir die einzigen nicht ſind der Treuen
Und daß wir unſre Liebe teilen müſſen
Mit jenen, die im Schwedenland Dir hold
Und die auf Norwegs Felſen Dich verehren.
(Zwei Jungfrauen überreichen einen Kranz von Roſen.)
Das „glückhafft Schiff“ gab dieſen Kranz uns mit,
Viel wackre Hände haben ihn gewunden,
Und auf der Schleife, die die Blumen hält,
Steht: Guſtav Oskar und Viktoria!
Die zweite Sprecherin,
zu Großherzog Friedrich und der Großherzogin Luiſe von Baden gewendet:
Nicht ohne Rührung, hohes Elternpaar,
Sei Euch vom Land ein Glückwunſch dargebracht,
Daß Ihr des Glücks der Kinder Euch erfreu'n dürft
Auf dieſem Eiland, das Euch ſelber einſt
Als jungfroh Brautpaar bei ſich einziehn ſah.
Noch rauſcht die Welle in dem alten Murmeln,
Das damals Euch in ſüßen Schlummer wiegte,
Der eignen Jugend Abglanz ſtrahlt Euch neu.
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