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Prolog.
Und wenn wir ihm ſein eigen Regiment,
So wie es leibt und lebt in der Geſchichte,
In Bildern zeigen, kunſtlos aber wahr?
Wohlan, bevor der Genius unſres Schiller
Der Wallenſteiner luſtig Treiben aufrollt,
Werd' uns ein Blick in die Vergangenheit!
Nicht immer war's wie heut. Einhundertzwölf
War eine Regimentszahl, die der Klügſte
Im ganzen heil'gen römiſch⸗deutſchen Reiche
Für fabulos hielt und für rein unmöglich.
Wir zählten bei des Ländleins Infanterie
Die Nummern Eins und Zwei und waren meiſt
Um Bühl und Lahr und Offenburg zu Hauſe.
Doch wie ſich auch der Zeiten Kreislauf ändert
Und Kriegsausrüſtung, Waffentracht und Taktik
Und ſelbſt des Haupts Bedeckung — allzeit war's
Ein badiſcher Prinz und Markgraf, der uns führte
Und uns der Ahnen wie des eignen Bluts
Kriegsmut und Feuer einzuhauchen wußte.
Ja ſelbſt der Name Wilhelm erbte ſich
Als ruhmesreiche Überlief'rung fort.
Der erſte, dem wir unſre Fahne danken,
War „Badens Held“, der Markgraf Ludwig Wilhelm,
Den noch das Volk den Türkenlouis nennt.
Damals erhub dem Reich als ſtärkſter Feind ſich
Der Türken Sultan, von der Donau ging
Wie Sturmgeläut zum Rhein der Türkenlärm.
Der Türkenlouis wußt' ihm zu begegnen.
Noch zeigen die Trophäen ſeiner Siege,
Die er der Liebſten, ſeiner Frau Sybille,
Zum Schloß von Baden und von Raſtatt ſandte,
Noch zeigt der eignen Rechten blut'ger Handſchuh,
Daß manch ein Spahi auf arabiſchem Renner,
Manch edelſteingeſchmückter Janitſchar
Und ſelbſt ein Großweſir im Lagerzelte
Der deutſ chen Klingen Wucht erliegen mußt'!
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