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Prolog. 147
Damals mag manchem braven Mutterſohne
Das Herz in höherm Takt geſchlagen haben,
Als eines Herbſttags von dem Kahlenberge
Des Reichs Erſatzheer niederſtieg vor Wien
Und mit Sobieskys hilfbereiten Scharen
Den Erbfeind warf und die Belag'rung ſprengte.
Was dort für Kriegstat, Arbeit und Aktion
Dem deutſchen Kriegsmann gen dem Türken oblag,
Zeigt noch manch Bild — es war die Infanterie
Aus Musketieren und aus Pikenieren
Zwei Glieder hoch formiert und mußte oft
Des Reiterangriffs wilder Furia wehren,
Und Pfeilſchuß drohte, Speer und Yatagan.
Doch Frau Viktoria wandte ſich zu uns;
Gerettet ward — nach gräßlichen ſechs Wochen —
Die Hauptſtadt an der ſchönen blauen Donau!
Das war ein feierlicher Augenblick,
Als vor den Toren ſich die Sieger trafen, G
Und Rüd'ger Starhemberg, der aus der Stadt
Den Ausfall lenkte, ſeine Freunde nahn ſah;
Das war ein Herzensdank nach harter Arbeit,
Als der Befreite den Befreier grüßte
Mit Freudentränen in dem Heldenaug!
Erſtes Bild.
Des Markgrafen Ludwig Wilhelm Begegnung mit dem Grafen Starhemberg
und König Johann Sobiesky vor den Toren des befreiten Wien; 9. September
1683.
Muſik: Prinz Eugen der edle Ritter.
Noch einmal war's dem tapfern Badner Löwen
Vergönnt, das Schwert zu ziehn für ſeinen Kaiſer.
Haus Habsburg⸗Spanien war erloſchen; um
Des Pyrenäenlandes Thron und Krone
Hob zwiefach, dreifach wirrer Anſpruch ſich:
Der ſpaniſche Erbfolgekrieg entbrannte
Bellonas Fackel weithin durch Europa.
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