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Prolog. 149
Beim Reichstag wiedrum Sitz und Stimme führend,
Schreibt zu des Stadttors Inſchrift hier verbeſſernd
Ein „Tandem cessit Caesari!“ dazu.
„Landau war doch des Kaiſers!“ heißt's auf deutſch!
Zweites Bild.
Der Magiſtrat von Landau überreicht dem Markgrafen Ludwig Wilhelm die
Schlüſſel der Stadt, nachdem dieſer das Erſatzkorps des Marſchalls Catinat bei
Druſenheim geſchlagen und die Zitadelle geſtürmt hat. 10. Oktober 1705.
Muſik: Marlborough s'en va-t-en guerre.
Als dann das alte deutſche Reich erſchüttert
Aus allen Fugen ging, und alle Welt
Des korſiſchen Eroberers Fahnen folgte,
Da mußten wir wie andre Rheinbundtruppen
In fremden Ländern fremde Schlachten ſchlagen.
Nach Rußland ging's. Karl Friedrichs junger Sohn,
Der Markgraf Wilhelm, unſres Gaſtes Oheim,
War unſer Führer. Doch was frommt der Mut
Der Jugend, wo die Elemente wüten?
Ein Mann im Schlitten, der ſich ſelbſt beurlaubt,
Ein langer Zug von Schatten und Geſpenſtern,
Die Wunden, Hunger, Kälte aufgerieben:
Das war der Reſt der ungeheuren Kriegsmacht,
Der große Kaiſer und ſein großes Heer!
Wir kamen juſt vorm Ende! Unſere Leute
Verſuchten noch mit eiserſtarrten Händen
Der Bereſina ſchreckliches Verhängnis
Um wenig Stunden fruchtlos aufzuhalten
Im Bajonettkampf mit Koſakenſchwärmen.
Vom allgemeinen Rückzug fortgeriſſen,
Schwand mit der Kraft auch der Zuſammenhalt.
Der Reſt war Schweigen und der Tod im Schnee.
Doch Pflichterfüllung, wenn auch kein Erfolg lohnt,
Iſt Kriegsmanns Troſt. Wir rollen auch dies Bild auf.
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