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15⁰
Prolog.
Schaut auf und ſeht die Leiden unſrer Väter,
Seht ſie ausrücken mit der Steinſchloßflinte,
Im Uniformfrack mit den kurzen Flügeln,
Im Tſchako mit dem hohen Federbuſch!
Und ſeht ſie auf der Wacht bei Boriſow,
Wie als die Letzten vor der Bereſina
Im Nachtgefechte ſie den Rückzug decken,
Ihr Markgraf Wilhelm ſelbſt wie ein Gemeiner
Mit der Muskete in den erſten Reihen,
Sich kühn aufopfernd zu der andern Rettung!
Drittes Bild.
Markgraf Wilhelm deckt mit eigener Aufopferung — eine Muskete in der Hand
— den Rückzug der Franzoſen bei Boriſow.
27.—28. November 1812 nachts.
Muſ ik: Ein Trauermarſch.
Ein langer Friede folgte, doch Ihr wißt,
Es kann der Friedlichſte nicht friedlich leben,
Wenn es dem böſen Nachbar nicht gefällt.
Und als das Heerhorn zu dem Siebz'ger Kriege
Mit grimmem Ton ganz Deutſchlands Männer aufrief,
Da zog auch unſer Regiment zu Felde
Als viertes in der Badner Diviſion.
Demütig ſtolz gedenk' ich jener Tage.
Mit uns war Gott und eigne Kraft — ſo ging
Es von Erfolgen vorwärts zu Erfolg!
Auch Dir, Prinz Wilhelm, ward von Gott die Gnade,
Die Deinigen zu Sturm und Sieg zu führen,
Dem Vaterland Dein treues Blut zu weihen
Und doch, geheilt, zu ſchauen den Triumph.
Wir mußten der Burgunder Hauptſtadt decken,
Da kam ein ſtarker Feind von der Loire
Und nahm bedrohlich Stellung bei Nuits.
Am Bahndamm war’s.. Hartnäckig hielten ſie
In zähem Widerſtand die Schützengräben..
Viel Brave lagen wund ſchon oder tot..
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