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158 Der Brautwillkomm auf Wartburg.
Chor der ſieben Minneſänger.
Wie immer — bereit!
Ohne zu kriegen,
Friedlich bereit!
(Harfen werden geſtimmt. Eine muſikaliſche Einleitung geht dem friedlichen
Wettgeſang der ſieben Meiſter voraus.)
Wolfram von Eſchenbach. L
Als wir mit deutſchen Klingen
Geführt manch guten Streich,
Galt auch das erſte Singen
Dem Kaiſer und dem Reich.
Dem Herrn der Herrn ſei Ehre,
Denn Großes iſt geſchehn;
Ich ſeh' in neuen Farben
Des Reiches Banner wehn
Und wieder treu beim Kaiſer
Thüringens Landgraf ſtehn.
(Der Sängerknabe übergibt einen ſilberbeſchlagenen Prachtband.)
Heinrich von Ofterdingen. (Weich, faſt wehmütig, gegen das Braut⸗
paar.) .
Haoab ' ich geträumt? klang hier nicht meine Laute?
Dort winkt die Halle, der ich einſt entfloh.
Dies iſt der Palaſt, den Fürſt Hermann baute,
Und doch ſo neu, ſo kunſtverjüngt, ſo froh.
Wie preiſ' ich euch, fremdliebliche Geſtalten!
Wer iſt, den nicht das Glück des Hauſes rührt?
Wo wir gekriegt, will Schönheit friedlich walten.
Heil allen, die ſie neu hier eingeführt!
(Mit einem Strauß Edelweiß.)
Walter von der Vogelweide. (Melodiſch, fröhlich. Minnelied.)
Beim Scheiden der Sonne erſchimmert
Der Metilſtein freundlich und klar;
Dort ragen der Mönch und die Nonne
Verſteinert als Felſenpaar.
„Heil, Heil den Neuvermählten!“
Sprach Mönch und Nonne zu mir:
„Wir hoffen, die beiden beſuchen
Recht bald unſer tannig Revier.
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