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160 Der Brautwillkomm auſf Wartburg.
Sein Tagelied hütend zu bringen.
Wenn früh ob dem Bergfried die Sonne erſteht,
Gedenkt er erſt euer im Morgengebet,
Dem Wächter verbeut er zu ſingen.
(Übergibt ſein Lied als Autograph des Komponiſten auf Pergament mit
Initialen.)
Klingsohr aus Ungarland (im Talar als Aſtronom).
(Anapäſtiſch lebhaft.)
Zweiundſiebenzig Ströme am Himmel
Sind breit mit Sternen beſät,
Der Weltkörper funkelnd Gewimmel,
Nach dem unſer Schickſal ſich dreht.
Ich bin auf dem Söller geweſen,
Da leuchtete ſilbern ein Schein,
Es ſteht in den Sternen zu leſen:
„Ihr werdet glücklich ſein!“
(Übergibt ein Fernrohr.)
Alle. Es ſteht in den Sternen zu leſen:
„Ihr werdet glücklich ſein!“
Frau Aventiure (mit den Gnomen).
Dank' euch, ihr Braven!
Lang' ſelig entſchlafen,
Tönt heute wieder ſüß wie der Nachtigall Sang
Ein friſch' Tirilieren den Bergwald entlang.
Doch ſchaut! — Wer naht?
Alle (ehrfurchtsvoll ſich neigend). Eliſabeth!
Die Heilige Eliſabeth iſt eingetreten, als Landgräfin, die Krone
auf dem Haupt, ihren Sohn Ludwig an der Hand, von dienenden
Frauen begleitet.
(Ein großer Korb mit Roſen wird dargebracht.)
(Hymnentöne.)
Die heilige Eliſabeth.
Verehrt ihr mein Gedächtnis,
So tut, wie ich getan:
Mein heiliges Vermächtnis
Iſt jeder ſieche Mann.
Den Frommen, Hochmutloſen
Wird Wunderwirken leicht —
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