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168 Die Linde am Ettersberg.
Tochter. Halt an — Geduld! Es kommen ihrer mehr,
Die Luft geht rein, weither ſchon trägt der Wind
Des Bahnzugs Schnauben, der die Gäſte bringt.
Man ſollt' nicht glauben, daß ſo vieles Volk
Am Ettersberg vorüberſchwärmen könne.
(Es ziehen viele Gruppen verſchiedener Vertreter des Landes und ſeiner in
der 25jährigen Regierungszeit geförderten Intereſſen vorüber. Die kurzen
Verſe, welche dieſelben ſprechen, müſſen in raſchem Marſchtempo, wie in flüch
tigem Vorüberziehen und mit entſchiedener Betonung geſprochen werden.)
Erſte Gruppe:
(Drei Jungfrauen in einheimiſchen Koſtümen mit großen, ſchön gebun⸗
denen Sträußen. Eine in kurzem, ruhlaiſchen Kandelrock und turbanartigem
roten Kopftuch.)
Nach der Großherzoglichen Loge:
Alle drei. Uns haben zur Reiſe —
Den Strauß in der Hand —
Des Landes drei Kreiſe
Glückwünſchend geſandt.
Erſte. Flora, die bunte,
Gab dem die Geſtalt,
Heimatlich im Bunde
Mit Wieſen und Wald.
Zweite. Der Tautropfen blitzet
Auf Bergblumen ſchön,
Durch Schnee ließ ſie ſprießen
Der Genius der Rhön.
Dritte. Mit Nelken kommt Ruhla,
Mit Roſen Markſuhl;
Was wär' ohne Nelken
Die luſtige Ruhl?
Alle. Ein Lied ohne Worte
Zum Strauß iſt's gepflückt,
Weil dir die Verſchönung
Des Landes geglückt.
Zweite Gruppe:
Bauern von Ifta, Mihla, Schnellmannshauſen.
Bauer. Zäh, hager und mager,
Von Hünengeſtalt,
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