Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-1/3
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 2: Juniperus, Hugideo u.a.)
[1916]
Seite: 169
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Die Linde am Ettersberg. 169

Die ſtämmigen Schultern
Von Locken umwallt.

Den Kamm in dem Haupthaar,
Den Dreiſpitz darauf,
In Hoſen von Leder,
So rücken wir auf:

Im Haus wie am Pfluge
Stets aufrecht und echt —
Die Bauern von Ifta,
Ein ſtrammes Geſchlecht!

Waldhornklang meldet die dritte Gruppe Vorüberziehender:
Forſtleute in Gala und ein Bergmann.

Lehrer (dem Zugführer die Hand ſchüttelnd, neckiſch).
Hoho! mein lieber Weidmann, wo wollen wir hinan?
Forſtmann (ebenfalls neckiſch).
Hin, hin, zum Ettersberg Schlag A und Nummer 6.
An ſeinen grünen Buchen
Wollen wir den edeln Hirſch ſuchen.
Allhier bei dieſen Linden,
Da wollen wir ihn finden;
An der Stechpalm' und bei den Birken,
Da wollen wir ihn zerwirken.
Lehrer (heiter). Es wird heut nicht gefährlich ſein,
Ich ſeh' Euch nicht mit Hunden.
Wenn die Jäger ziehn zu Tanz und Wein,
Da mag der Hirſch geſunden.
Doch Ihr habt recht, Ihr dürft Euch wohl bedanken,
Der Förſterei ergeht's bei uns nicht ſchlimm.
Weither aus ganz Europa kommen Schüler,
Die Lehranſtalt des Staates zu beſuchen
Und Eiſenachs und Wilhelmstals berühmte
Lehrforſte als Waldpfleger zu durchwandern.
Forſtmann.
Ja, das weiß Gott! Wir tauſchen auch mit niemand.
Geh hin und ſchau den Ettersburger Saal,
Wie der ein Zeughaus iſt von Pirſchgewehren,
Wo als der Wände und der Säulen Schmuck
Nur Hirſchgehörn an Hirſchgehörn ſich reiht —


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