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Die Linde am Ettersberg. 175
Iſt Johann Friedrichs hohe alma mater
So ziemlich aus der alten Haut geſchlüpfet,
Hat ſich erneut und zeitgemäß verjüngt
Mit Lehranſtalten von modernſter Art:
Muſeen, Kabinetten, Inſtituten,
Mit Seminarien und dergleichen mehr ...
Kleinaltdorf, einſt ein altberühmt Gebäude,
Iſt jetzt die neue Univerſität,
Und als ein zweiter Bau erhebt ſich ſtattlich
Die Bücherei mit ihren alten Schätzen,
Wohl zweimalhunderttauſend Bände ſtark!
Doch mit dem Golde, was, verbrämt mit Purpur,
Uns an des Saaltals kahlen, grauen Rücken
Allabendlich die Sonne leuchten läßt,
Zahlt man die Koſten nicht, die das erfordert,
Dazu braucht's eines Medizeers Güte,
Und wenn wir auch den hohen Vettern danken
Vom Erneſtiner Stamme, die gemeinſam
Manch ſchönen Schmuck der alma mater ſpenden:
Was Jena iſt, ward es durch Weimar nur —
Durch unſern Rektor und durch ſeinen Hochſinn.
Lehrer. Da darf man wohl dem Rektor und Protektor,
Für deſſen Großmut Zahl und Ziffern ſprechen,
Heut abend einen Feſtſpruch in Latein,
So einen großen, feierlichen widmen?
Dritter Student.
Gewiß, mein altes Haus! und wollt Ihr wiſſen,
Wie dieſer Feſtſpruch lautet, wenn uns alle
Des Landesvaters Feier froh vereint?
Lehrer. Gern hör' ich zu und glaub' auch, daß er ſchön iſt.
Dritter Student.
Sein Sinn bedeutet, daß wir, was auch komme,
Ihm gern durch Waſſer und durch Feuer gehn.
Nun paß wohl auf! L
(Die Tochter hat die Trinkgefäße gefüllt.) L
(Sie ſtellen ſich feierlich auf und machen die dem ſtudentiſchen Gebrauch ent⸗
ſprechenden Bewegungen.)
Cari commilitones,
Jam incipiamus altum in honorem
Rectoris magnificentissimi
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