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Die Linde am Ettersberg. 177
Denn Dorf wie Stadt lebt hochgemut
Im Schutz Karl Alexanders!
(Während des Geſanges, den fünf Strophen des Liedes entſprechend, Reigen⸗
tanz um die Linde, oder, wenn die Linde ſeitwärts ſtehen muß, vor derſelben
Die Tanzenden ſind durch Blumengirlanden, deren verſchiedene Verſchlingung
und Tragung verſchiedene Tanzfiguren ermöglicht, bald im Kreis verbunden,
bald aufgelöſt. Während der Schlußfigur wird auch die Tanzgirlande um die
Linde befeſtigt.)
Lehrer. Ihr habt den rechten Chorus angeſtimmt
Am rechten Ort — und zu dem rechten Ort
Geziemt das rechte Wort, ſchaut freudig drum
Zur Linde auf! Was ſie erzählt, das künd' ich.
Sie ward gepflanzt vor mehr denn ſiebzig Jahren,
Als unſres Landesherrn geliebter Vater,
Erbprinz Karl Friedrich, von der Brautfahrt kam
Und uns als beſtes Kleinod ſeines Hausſtands
Die Großfürſtin aus hohem Norden brachte.
Wem ſchlägt das Herz nicht hoch, wenn er den Namen
Maria nennt und an die Teure denkt,
Die nicht nur in den Eiſenacher Felſen,
Die ſich in aller Zeitgenoſſen Herzen
Unlöſchlich ihres Namens Züge einſchrieb.
Damals war Fried' im Land und frohe Hoffnung,
Und auf den Brettern, die die Welt bedeuten,
Ward ihr zu Ehren auch ein Baum gepflanzt,
Ein blühender mit goldner Früchtenkrone.
Doch pflanzten hier beſcheiden dieſe Linde
Mein Vater und die Väter unſrer Nachbarn.
Als dann die Kunde kam: Ihr ward ein Sohn,
War unſrer Väter frommer Wunſch erfüllt.
Sie hofften all', daß er ſo wohl gedeihe
Wie dieſer Stamm, der friſch im Triebe ſtand,
Und nannten ihn Karl Alexanders Linde.
Seither, ihr mögt es Aberglauben nennen,
Steht ſie wie ein Symbol. Wir freuten uns
Für ihn, wenn ſie in Dolden ſüß erblühte,
Und fürchteten für ihn, wenn ſie bedroht war.
Und nach der Eltern und Voreltern Dorfbrauch,
Wenn Reigentanz und Jubelfeſt durchs Land ging,
Fand jung und alt ſich ſtets allhier verſammelt
Scheffel. II. 12
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