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Die Linde am Ettersberg. 187
Im Neubau ſeiner Wilhelmsburg, im kleinen Fürſtenſaale,
Die Brüder, Gäſte und Getreun verſammelt er zum Mahle.
Ein edler Kokospalmenbaum ſtund als der Tafel Schmückung
Gemalt und trug im Band den Spruch: „Zu Nutzen und
Beglückung.“
Pallas Athene ſtund dabei, als ob ſie Früchte ſuche,
Mit Ritterhelm, Meduſenſchild und aufgeſchlagnem Buche.
Und als das Mahl zur Hälfte war mit Feſtmuſik und
Scherzen,
Leutſelig Herzog Wilhelm rief: „Willkommen mir von
Herzen!
Wie dieſes Palmbaums Hochgeſtalt der Menſchen Aug' er⸗
getzet
Und ſie mit Früchten mannigfalt ernährt, erquickt und letzet,
So wollen wir zu Deutſchlands Ehr' nach langer Sprach⸗
verwüſtung
Fruchtbringende Geſellſchaft ſein in Kriegs⸗ wie Friedens⸗
. rüſtung.
Zwiefach ſei unſer Rittertum: mit Roß und Schwert ſich
. üben
Und unſrer Sprache Heiligtum und freie Künſte lieben.
Jedweder nach Perſon und Art ſoll einen Namen führen
Und eine Pflanze als Symbol und einen Spruch ſich küren.
Mein herzoglich Gebrüderpaar, und ihr, Askanierfürſten,
Laßt nährend“, keimend“, „hoffend' uns nach ſolchen Früch⸗
ten dürſten.
Teutleben, Koſpoth, Kroſig auch, und Dietrich du, vom
erder,
Führt ‚mehlreich“, ‚helfend, ‚vielgekörnt“ die Federn wie
die Schwerter.
Schafft, daß in Lieb des Vaterlands jed' wacker Herz ent⸗
renne,
Und daß an ihrer Früchte Glanz man die Geſellſchaft kenne!“
Mit großem Schalle fielen ein Heerpauker und Trompeter,
Auf der Genoſſenſchaft Gedeihn leert' ſeinen Becher jeder.
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